MAK

Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 2)

Formlosigkeiten (wehende Lüfte, fächelnde Fittiche, strömendes Etwas) verwendet sind. 
Die Empfindungslinie erklärt sich in Permanenz und setzt sich in Emphndungsiläche um. 
Die zehn Emailscenen, die sich um eine elfte gruppiren, und die 22 blauen Kugeln, die 
einem Planetenreigen gleich das Mittelbild umgeben, sind von ungewöhnlichem Farbenreiz. 
Der Künstler hat da eine grosse Mannigfalügkeit von Stimmungen in Farbe gesetzt, und 
zwar in eine glühende Farbe von gleichsam archaischem Zauber. Der Erfolg dieser 
neuesten seiner vielen Techniken ist unbestritten. Das Mittelbild zeigt die triumphirende 
Stunde als herrliche nackte Figur vor freier Landschaft. Unterschriü: „Die Stunde in all 
ihrer Herrlichkeit soll in Ewigkeit fortgeführt werden." Dieser Gedanke erläutert sich noch 
durch die Legende: „ Das Alte soll immer im Neuen erklingen"; in einer Nische unter der 
Triumphscene zieht nämlich ein betagter Chronos an den Seilen von Glocken, die hoch 
oben über dem Mittelbilde ihr jugendlich frohes Geläut anstirnmen. Das Ganze gedanken- 
voll und deutsam, aber zu den lebendigen Sinnen sprechend. Im Club selbst herrscht reges 
Leben. Hugo Darnaut, der einst mehr oberflächlich Spielende, wie noch im grossen 
„sonnigen I-Ierbsttag" dieser Ausstellung, wendet sich dem Tieferen zu. Seine Pastelle 
„Novernberabend" und „Schneeluft" sind von ungewöhnlichem Ernst und einer gewissen 
Grösse der Auffassung. Er sucht die Scene im Ganzen zu sehen, statt sich in ihren zahl- 
losen Kleinigkeiten zu verlieren. Eine farbige Zeichnung: „Mondschein" ist ein Versuch 
in Keller-Reutlingens bleicher Note, die etwas hart ausfällt. Heinrich Tomec fährt fort, 
Versprechungen zu erfüllen, vorderhand in sehr hübschen Kleinigkeiten, wie „Neustift am 
Walde" und einer „Türkenschanze", der er mit gutem Fug einen gelben Wüsteneifect 
abgewinnt. Im Grossen ist er weniger sicher, doch hat sein „Mondaufgang" in Rosenroth 
und Veilchenblau etwas unleugbar Symphonisches. Antonin Hudecek studirt seine grünen 
Waldflecke weiter und fügt ein grosses Bild („Im Frühjahr") aus zwei feuchten, scharfen 
Tönen: I-Iellgrün und Braunviolett hinzu. Seine Haupttugend ist, dass er nie süss wird, 
aber diese Tugend hat auch ihre Kehrseite, die er nicht immer vermeiden kann. Alle 
Anerkennung verdient Rudolf Bernt für seine grosse, mit Architektenaugen gesehene, aber 
mit Malerhand gegebene Ansicht des Neuen Marktes, soweit er ihn noch „alt" erwischen 
konnte. Mit altern Wien beschäftigen sich auch Czech und Götzinger. Dagegen geht 
J. N. Geller in seinen Prater- und Stadtparkbildem mit Kinderstaffage rnodemistischen 
Effecten (Cheret, Lunois) nach, die ihm gern über den Kopf wachsen. Eduard Zetsche hat 
in Anton Kaiser einen Wahlverwandten gefunden; zierlich, scharf und detailreich. Unter 
den Porträts fallen die Pastelle Theodor Bruckners auf, der sich jedesmal ein coloristisches 
Ensemble zu machen weiss. Im Genre bemerkt man Kruis' hübsches Interieur mit holländi- 
schen Haubennäherinnen und eine Mädchenstudie von Joannovits. Hübsche Plastik bringen 
Stefan Schwanz, H. Charlemont, Wollek (Beethoven-Maske) und Seifert (Büste und 
Statuette Hugo Wolfs). Auch mehrere Ausländer von Namen sind eingelangt. Hamacher, 
Bartels, Bazzani, Fragiacomo, Hans Hermann, alle mit ihrem wohlbekannten Gesicht, dazu 
ein neuer Engländer, Archibald Standish Hartrick mit einer Reihe curioser Boxerscenen, in 
denen die bete humaine aus der Faustperspective studirt ist. Schliesslich sei erwähnt, dass 
mehrere Säle mit l-Iunderten graphischer Blätter jeder Art gefüllt sind, einer Collection, 
in der man sich mit vielen der besten Stift- und Nadelkünstler unterhalten kann. 
HAGENBUND. Diese neueste Secession aus dem Plenum der Künstlergenossen- 
Schaft hat im Januar bei Miethke ihre erste Ausstellung veranstaltet. Sie war 
eigentlich nur ein Lebenszeichen, das heisst ein Zeichen, dass man lebt und demnächst 
einmal wirklich ausstellen wird. Aber die bekannten Talente der Gruppe (Zoff, Ameseder, 
Kasparides, Suppantschitsch, Wilt und andere), lauter Landschafter, brachten einige 
hübsche Arbeiten, zum Theil interessante Versuche. Karl Pippich erfreute durch zwei 
anziehende Schneestudien aus Wien; die eine mit einer Karlskirche, die sich als dunkle 
Silhouette aus Nebeln aller Art hebt, unter denen die weissen Dampfwolken der Sadtbahn
	        

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