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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 2)

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Marich, mit seinem dunkeln Ensemble von Teint und Haar, dabei alles stramm zusammen- 
gehalten, ist besonders hervorragend. Dann der weissbärtige Kopf des geheimen Sanitäts- 
rathes Dr. Beuster, der auffallend an Francisque Sarcey erinnert, und so noch andere. 
Aber der Künstler liebt auch das atmosphärische Experiment und zieht manchmal das sym- 
phonische Stimmungsporträt in Whistlefscher Art vor. Oder er archaisirt in der Art der 
englischen Biedermaierzeit, wie in einem grossen verblichen gehaltenen Porträt des Fürsten 
Alois Liechtenstein, das wie die Vergrösserung einer Miniatur in Wasserfarben aussieht. 
Für Damenbildnisse zieht er diese ältere Salonweise vor, in der man soeben die Reynolds- 
zeit ihren Geist aushauchen sieht. Dass es dabei ohne süsse Zubereitung nicht abgeht, 
weiss man ohnehin; die Damen kommen sich darin schmackhafter vor. Im Ganzen hat die 
Leistung des Künstlers einen schönen Erfolg und er braucht den AusBug in die Heimat 
nicht zu bereuen. 
KLEINE NACHRICHTEN S0 
DIE KÜNSTLERISCHE REFORM DER DAMENKLEIDER. Es ist eines 
der actuellsten Themata in der modernen künstlerischen Cultur. Sehr actuell und ganz 
jung, denn vor wenigen Monaten erst geboren. Zielbewusst erst seit dieser Zeit. Das früher 
ab und zu, hier und dort schüchtern angeschlagene Thema wurde zu einem Leitmotiv, 
einem vollen, breiten und klangstarken Leitmotiv. 
Anklagen gegen die „Mode" haben wir genug, aber es sind nur einzelne verhallende 
Nothschreie der Entrüstung gewesen. Dabei ist die „Mode" nicht alt. Die eigentliche, die 
sinnlose, capriziöse, rücksichtslose Mode, wie sie von einzelnen grossen Schneidern geschaffen 
wurde und wird, gibt es eigentlich erst seit dem Aufhören der grossen historischen Trachten, 
welche Hand in Hand mit dem Stil ihrer Zeit und Cultur gingen. Erst dann entstand sie; sie 
ist nur ein Geschäft, ein Abhetzen immer neuer Formen und neuen Putzes und leider meist 
unorganischen Putzes. Die Mode ist das liebste Kind der Sensation, hat nie weder System 
noch rationelle Gesinnung gekannt, sie hat gleicherweise Gutes und Schlechtes, Schönes und 
Hässliches geformt, aber nie hat sie das Schöne aus einem ernsten Zweckbedürfnis ge- 
schaffen, sondern es war das, was sie schuf, zufällig schön, wie es, meist infolge des schlech- 
ten Geschmacks der Produzenten und auch der Consumenten, hässlich war. 
Eine analoge Erscheinung mag mich unterstützen. Überall gründet man jetzt Volks- 
trachtenvereine, um das Volk zu verhindern, seine alte historische Tracht mit geschmack- 
losen „modernen" Stadtcostümen zu vertauschen. Ob es viel helfen wird, ist sehr zweifel- 
haft. Es sprechen da soziale und ökonomische Fragen mit, die stärker sind als jede Tradition. 
Und doch wie schön ist ein Bauernpaar in der alten Volkstracht, wie hineingewachsen! 
Schön selbst dann, wenn die Tracht als solche keine hervorragenden Schönheitselemente 
hat. Wie grotesk und gemein sieht dasselbe Bauernpaar aus, wenn es stolz einen gross- 
städtischen Kleiderladen verlässt! 
Noch ein anderes Beispiel. Den Wert und die ästhetische Bedeutung einer gleich- 
artigen Tracht zeigt ein Blick auf die alte, traditionell gleichartige Tracht der Armee. Die 
in vielen Romanen und in den Witzblättern so oft wiederholte Unwiderstehlichkeit des 
Militärs geht hauptsächlich auf die Uniform zurück, diese solidarisch wirkende vornehme 
Phalanx. 
Nun kam ja über uns eine neue Kunst, es bildet sich ein neuer Stil. Undjetzt tauchen 
auch die Forderungen nach einer neuen Frauenkleidung auf. Es wird nach einer Logik in 
der Kleidung verlangt, im Gegensatze zum Erfinden der Schneider, das nur möglichst viel 
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