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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 5)

Adrian Stokes, Die rolhen Dächzr 
 
Ahnherr ihrer Kunst. Inhaltlich gewinnen die Bilder unter solchen Einflüssen 
an Seele, an Innerlichkeit des Gefühles. Sie büssen dafür die kräftige 
Herbheit der früheren Werke ein. Gab die breite, frische Darstellung des 
Heubodens den früheren Bildern ihren Reiz, so gibt die Malerin nun einer 
der Heiligengestalten in „Gegrüsst seist Du, Maria"! einen schlanken Lilien- 
stengel in die Hand. Neben der weissen, bethörend zarten Lilie hat das 
bäuerische Heu die Anziehungskraft verloren. Natürlich sind auch die 
Gesichter weicher, schmerzlicher, die Figuren schlanker, biegsamer 
geworden. Ganz klar kommt hier der späte, englische Präraffaelismus zum 
Ausdrucke, dessen Princip nicht mehr peinliche Naturtreue, dessen Vorbilder 
nicht mehr Holman Hunt und John Everett Millais sind, sondern Rossetti 
und Burne-jones. Der Einschlag weichlicher Sentimentalität gibt allen 
Werken der Epigonen ihr Gepräge. Es ist eine Phase in der Malerei, die 
fast für jeden englischen Künstler, der sich in den letzten Jahrzehnten 
entwickelte, kam, in der halbe Talente erdrückt wurden, sich in leerer 
Nachahmung verloren, in der die starken ihre Persönlichkeit wiederfanden 
und durch diese Schule ihren eigenen Weg gingen. In diese Periode darf 
man von Werken der Frau Marianne Stokes vor allem das poetische Bild 
„Prima vera" rechnen. („lhr Blümelein, alle, heraus! heraus! -Der Lenz ist 
gekommen, der Winter ist aus") Die Mädchengestalt ist weich, sinnend, sie 
hat die zarten, weissen Hände Burne-Jonesscher Frauen, und die Natur,
	        

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