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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 5)

 
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GRAZER KUNST. Die moderne Kunstbewegung hat einen decentralisirenden und 
agitatorischen Charakter, sie richtet sich gegen die überlieferte Führung der trotz 
aller Schwankungen des künstlerischen Gewissens 
immer wieder in conservativeBahnen einlenkenden 
Kunstmetropolen, und sie hat, wie selbstbewusste 
Jugend stets, keine Zeit zu verlieren und drängt 
und treibt und kämpft, um rasch zum Ziele zu 
kommen. Dass Dresden und Darmstadt neben und 
über Berlin und München mit Erfolg Herrschaft 
zu gewinnen suchen in der Pflege und Vertretung 
der nationalen Kunstinteressen, ist hiefür bezeich- 
nend; vor zehn Jahren noch hätte das niemand 
für möglich gehalten. Dass Prag früher als Wien 
zu einer modernen Galerie gelangen wird, hat 
tiefere Ursachen als die politischer Erwägung. 
Nun tritt auch Graz auf den Plan. Dass in der 
steirischen Hauptstadt eine kleine rührige Ge- 
meinde auf einem nicht leicht zu bearbeitenden 
Boden Verständnis, Liebe und wohl auch Vor- 
eingenommenheit für neue und neueste Kunst zu 
verbreiten strebt, wussten wir wohl; Wilhelm 
Gurlitt, der feurigsten Einer in der Bekämpfung 
eingewurzelter Kunstanschauungen, Emil Ertl und 
Adalbert v. Drasenovich haben seit Jahr und Tag 
in diesem Sinne vorgearbeitet. Aber dass diese 
Arbeit schon Früchte gezeitigt hat, ist eine Über- 
raschung, auf die man kaum gefasst war. Dicht- 
kunst und Musik blühen in der Steiermark seit 
langem, der bildenden Kunst hat sie aber bisher 
doch nur vereinzelte Kräfte zugeführt. Nun steht 
eine ganze Gruppe vor uns, eine Partei, in sich 
geschlossen, durch gemeinsame Neigungen und 
Abneigungen verbunden, radical und angriffslustig. 
Nicht gewinnen will der Grazer Künstlerbund, K. k Fachschule comna dmmpezzov Nomh 
was der Zufall ihm in den Schoss wirft, sondern Schränkchen nach einem Enkwurfe aus dem 
erobern. Dazu bedarf er eines Organs, das seine Zeichen-Atelier des Österreichischen Museums 
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