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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 1)

bereits drei, im Jahre 1583 sogar sieben 
Mitglieder in die Zunft, welche bei Alar- 
mierung der Aulgasser Rotte im Harnisch 
erscheinen. Der Töpfermeister Anno 
Knütgen war 1568 zugleich herzoglich 
bergischer Vogt, Johann Knutgen 1655 
zugleich Bürgermeister der Stadt. Als der 
Betrieb in Siegburg am Ausgang des 
XVII. Jahrhunderts nahezu eingestellt 
wird, übersiedelt die Familie ins Nassau- 
Sche Steinzeuggebiet, wo noch heutigen_ Abb. xg und 2a. Kleine Sleinzeuggefäße für 
.. . Puppensluben. Rären, XVI. und XVXI. Jahr- 
tags Topfer dieses Namens anzutreffen hundmuöhe 0.03 Mm, 
sind. Die Geschichte des Kunstgewerbes 
kennt wohl kaum einen analogen Fall solcher, zwanzig und mehr Gene- 
rationen anhaltender Treue zum gleichen Handwerk. Ein trauriges Blatt fiel 
in das Leben dieser Töpferfamilie, als 1636 der Kölner I-Iexenkommissär 
Dr. Buirmann in Siegburg erschien und 221 Personen dem Galgen und 
Scheiterhaufen überlieferte. Zu seinen Opfern zählten auch der angesehene 
und reiche Meister Dietrich Knutgen an der Linden und die Frau des Her- 
mann Knutgen. Die Prozedur trug dem Bluthund 86 Reichstaler. Bei seinem 
neuerlichen Auftreten im Jahre 1647 lauert ihm Jan Knutgen, ein Anver- 
wandter des Justii-izierten in dunkler Nacht auf und schlägt dem Verhaßten 
den rechten Arm entzwei. 
Die auch für die Nachtzeit notwendige Anwesenheit des Töpfers beim 
Gefäßbrand sowie die begreiflicherweise aus Geschäftsinteresse oft heimlich 
beim Ofen vorzunehmenden Manipulationen haben den Verdacht unerlaubter 
Mittel, einer strafbarenVerbindung mit überirdischen 
Kräften bestärkt und waren I-Iafner daher stets in 
Gefahr, auf eine Anzeige hin - zumeist aus Brot- 
neid - dem Ketzergericht ausgeliefert zu werden. 
So ist der vorerwähnte traurige Fall in Siegburg 
nicht der einzige geblieben. Ein gleiches Schicksal 
traf 1641 in Villingen den im Jahre 1568 als Sohn 
des berühmten Meisters Hans Kraut gebornen Kunst- 
hafner Jakob Kraut. Weder seine Würde als Rats- 
mitglied noch sein hohes Alter schützten ihn vor der 
Verurteilung. 
Rären bei Aachen, die dritte große Stätte in der 
Erzeugung kunstvoller Steinzeugware, ist vermut- 
lich der älteste der drei Industriebezirke. Im XVI. 
Jahrhundert fertigen die Töpfer Rärens Krüge, nicht 
selten von bedeutendem Fassungsvermögen und Abb. 21. Riecbliäschchen 
schmücken sie mit iigurenreichen Darstellungen aus jrsg_m;cxl;fl'fh'äf;r'huiä'einj 
derMythologie undGeschichte,mittestamentarischen Höhe W06 Meter 
 

	        

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