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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 6 und 7)

bildhauers Thomae zu Dresden war, welcher seinerseits wieder bei Permoser 
seine Kunst gelernt hatte. Kändler wurde vom König der Fabrik zugewiesen, 
„dass derselbe insbesonderheit die von Ihro königliche Majestät bestellte 
grossen Vasen und allerhand Arten 
Thiere mit dem bereits in Diensten 
stehenden Modellmeister Kirchner 
verfertigen sollen". 1733, nach 
Kirchners Demission, wurde Känd- 
ler Modellmeister und führte damit 
sein langjähriges thatenvolles Werk 
an derManufactur fort. Gar mancher 
Besucher der königlichen Porzellan- 
Sammlung zu Dresden wird schon 
den grossen Reichthum von künst- 
lerisch vollkommenen Thierfiguren 
daselbst bewundert haben. Wenn 
er dann erfahren hat, dass von dem- 
selben Künstler, dem jene Stücke 
zugeschrieben werden, auch die 
köstlichen grossen Gruppen ge- 
schaffen wurden, dass ferner Glanz- 
leistungen der Gefässbildnerei, wie 
die Prachtstücke des SulkowskP- 
schen und des BrühYschen Ser- 
johannjoachim KändleigMeerkatze vices, der Schneeballenvasen und 
das unübertreffliche Reiterdenkmal 
gleichfalls von Kändler herrühren, da wird er der in den vielseitigsten 
Richtungen hervorragenden künstlerischen Befähigung des Meisters volle 
Bewunderung gezollt haben. Schon vor Kändlers Eintritt in die Fabrik 
bestand des Königs Plan, die Galerien und die Gartenanlagen des Japanischen 
Palais mit solchen Thierstücken auszustatten. 
Es drängt sich uns angesichts dieser langen Reihe von Thierbildern, die 
rein decorativen Zwecken dienen sollten, die Frage auf, aus welchen Motiven 
heraus der Fürst deren Anfertigung befahl. Sponsel denkt kurz an die antiken 
T hierbilder, die August der Starke auf seiner obligaten Reise durch Italien 
gesehen haben mag, verweilt aber dann nachdrücklich und mit Vorliebe bei 
der grossen Jagdfreude und Thierliebhaberei Augusts, die sich in der 
Anlegung einer Menagerie und Sammlung von Thierbildern äusserte. Seltene 
Thiere wie Elephanten und Nashörner wurden in lebensgrossen Modellen 
imitirt und in den festlichen Aufzügen mitgeführt. Gerade den letzten beiden 
Thiertypen begegnen wir in Porzellan einigemale. 
Wir besitzen einen undatirten Bericht Kändlers über seine erste 
Thätigkeit in der Manufactur, in der er unter anderem von einem „Auer- 
thier" spricht, welches ein wildes Schwein umbringt. Es ist erhalten und 

	        

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