MAK

Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 6 und 7)

Eine ideale Ofhcierswohnung, Fries aus dem Spielzimmer 
 
tragen. Auch das Dachgeschoss, das, in Glas und Eisen construirt, als Werkstätte dient, ist 
mit einer Reihe eiserner Spangen montirt, die auch decorativ mitwirken. Die Ornamentik, im 
Metall wie an den weissen Wandiiächen des Stiegenhauses und der Gänge, ist mit einfachen 
modernen Linien- und Blättermotiven besorgt. Die innere Eintheilung der Räume ist so 
getroffen, dass sie mit Leichtigkeit in Privatwohnungen umzuwandeln sind, für den Fall, 
dass das Geschäftshaus später von der Strasse mehr einwärts in einen Neubau verziehen 
sollte. Diese Wohnungen sind sämmtlich mit aller Umsicht arrangirt und haben übrigens 
das Gute, dass die zum Verkauf bestimmten Möbel darin in lebendiger, wohnlicher 
Zusammenstellung vor Augen treten. Die Räume des ersten Stockes sind jetzt der 
 
Eine ideale Officiers- 
Wohnung, Standuhr 
Reihe nach in Empire, Louis XVI., Louis XIV., dann englisch, dann 
modern eingerichtet, das heisst mit Möbeln, Bronzen, Fayencen etc. 
dieser Stilrichtungen besetzt. Ein Zimmer soll noch einigen Ribarz'- 
schen Landschaften in grau- und weisser Täfelung angepasst werden. 
Dass das moderne Experiment eine grosse Rolle spielt, ist selbst- 
verständlich, auch ist von den letzten kunstgewerblichen Ausstellun- 
gen vieles hieher gelangt. Dabei werden im Hause selbst unermüdlich 
neue Varianten versucht (sogar ein Ansichtskartentischchen ist als 
Novum zu sehen) und die Vielseitigkeit der Hausateliers durch 
immer neue Techniken (eben erst durch sehr interessante Holz- 
intarsia) erweitert. Es ist ein anregender Gang durch diese Säle, 
von den gediegenen Nachbildungen und Modernisirungen alter Lud- 
wigsstile bis zum modernen Idealfauteuil aus grünem Maroquin, 
durchaus mit Flaum gepolstert bis zum Eindruck der absoluten Holz- 
losigkeit, von dem bis jetzt erst ein einziges Exemplar in privaten 
(hohen) Besitz gelangt ist. Im zweiten und dritten Stock sind dann 
Gebrauchsmöbel jeder Art. für das laufende Einrichtungsgeschäft 
untergebracht. Dieses Material ergänzt sich in einem zweiten, drei- 
stöckigen Gebäude, das durchaus mit Lagermöbeln erfüllt ist. Über- 
haupt ist es hochinteressant, einen Rundgang durch das ganze 
Bereich des ausgedehnten Etablissements zu machen, dessen Höfe 
und viele grosse Baulichkeiten sich bis zum Arenbergpark erstrecken. 
Man passirt da so manche eiserne Zwischenthüre und steigt über 
manche Treppe von Werkstätte zu Werkstätte. Eine Tischlerei mit 
mehreren hundert Arbeitern ist gleich ein zweistöckiges Gebäude, 
esgehtdarin zu wie in einem riesigenBienenstock. In der Vergolderei, 
im TapeziererHügel, im Nähatelier, im Maschinenhause mit elektri- 
schem Betrieb, wo das Holz wie Butter behandelt wird, gibt es 
viel zu sehen, was den Möbelfreund interessiren muss. Selbst der 
l-Iolzplatz, wo die kostbaren exotischen Hölzer jahrelang in Schuppen
	        

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