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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 6 und 7)

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stützt durch seinen Realismus die Behauptung Sponsels, dass die Thierliebe 
des Königs, die sich unter anderem auch in Thierhatzen aussprach, den 
eigentlichen Anstoss zur Herstellung der Thierfiguren gegeben habe. Der 
Auerochs ist das Werk eines 
ausgezeichneten Künstlers. Ver- 
glichen mit der früheren Thätig- 
keit der Fabrik steht es isolirt und 
als das erste Glied einer langen 
Kette von zusammengehörigen 
Meisterwerken, die eben Kändler 
schuf. Die ungezähmte Kraft des 
Stieres, der mit seinen Hufen sich 
an den Boden stemmt und ein 
Horn dem zu Boden geworfenen 
Wildschweine in die Flanken 
bohrt, während dieses in letztem 
verzweifelten Widerstand sich in 
ein Bein seines Besiegers fest- 
beisst, dies alles kommt durch- 
aus charakteristisch zum Aus- 
drucke und in höchst naturalisti- , , B _ 
SChCf Treue Slfld beide Thiere in johannjoachim Kändler, Bologneser Hündchen 
ihrer Körperbildung, in Haltung 
und Bewegung wiedergegeben. Vogelbilder führt Kändler auch in seinem 
Berichte an, so einen „grossen Adler mit ausgebreiteten Flügeln", das heisst 
noch nicht völlig ausgebreiteten, sondern erst gelüfteten, sich ausbreiten 
wollenden. Bei diesem Stücke wie allen anderen fällt immer wieder ins 
Auge das sorgfältige Studium nach der Natur neben dem richtigen Erfassen 
des Gesammteindruckes, kurz das Künstlerische in der Auffassung des 
Modelleurs. Dabei sind die Figuren absolut decorativ und keine Natur- 
abklatsche. Sie sind förmlich in Porzellan gedacht. 
Als weitere gelungene Beispiele dieser Thierstücke nenne ich einen präch- 
tigen Uhu mit einer frischerlegten Schwalbe zwischen den Fängen, einen 
gelagerten Ziegenbock, einen Pelikan, der mit weit zurückgeworfenem 
Schnabel einen Karpfen verschluckt, eine Trappe in ähnlicher Stellung, mit 
dem Schnabel in den Federn krauend, einige Schwäne und Pfaue, dann 
Papageien, einen krähenden brillanten Paduanerhahn, ein paar köstliche 
Affen, voll prächtigem Leben, ein kläffendes bissiges Bolognerhündchen, ein 
junger tölpelhafter Bär, der sich die Pfoten putzt, und ein junges Windspiel, 
das faul hingelümmelt, mit der erhobenen Hinterpfote sich am I-Ialse kratzt 
(„sich flöhet"): alles prächtige, förmliche intim geschaute Thierstücke, 
durchaus individuell und vollendet. 
Wir schöpfen viel Kenntnis über Kändler aus einer nach seinem Tode 
1776 in der „Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien 

	        

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