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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 8)

Beruhigendes, Träumerisches, fast Geheim- 
nisvolles hat. Im Erdgeschoss sind ein 
Hörsaal und Sitzungszimmer angeordnet, 
deren flache Felderdecken mit in Stuck ge- 
schnittenen Renaissanceornamenten fein be- 
lebt und deren Wände mit Holz verkleidet 
sind. In der Vorhalle führt seitwärts eine 
reiche steinerne Wendeltreppe zum grossen, 
als dreischiffiger, kirchenartiger Raum ge- 
stalteten Lesesaal. Die Nebenschiffe haben 
Emporen. Sie sind in eine Folge von kleinen 
kapellenartigen Räumen getheilt, deren jeder 
durch bay-windows beleuchtet, seitlich durch 
hohe Bücherschränke gegen Vdie Neben- 
kapelle abgeschlossen ist, so dass jedes der 
kleinen, für vier Personen eingerichteten 
Lesezimmer nur nach dem Mittelschiff hin 
sich öffnet. In letzterem stehen Vitrinen 
mit seltenen Manuscripten und Pracht- 
werken, die bequemen Verkehr zulassen. 
Der ganze Lesesaal ist in Sandstein erbaut, 
dessen schöne warme Töne überall zur Gel- 
tung kommen. Die Wände der kleinen Ar- 
beitskapellen aber sind, soweit sie nicht von 
den Bücherschränken beansprucht werden, 
mit Holz verkleidet, wobeijede Füllung anders 
ornamentirt wurde. Ebenso elegant geschnitzt 
sind die Arbeitstische. Die Stühle leisten das 
Erdenklichste an Bequemlichkeit, ein hüb- 
Hemd" Kebmmes Elfenbein und scher Leuchter für elektrisches Licht hängt 
Silber, Cardeilliac, Paris, Pariser Weli- _ _ _ __ __ _ 
„ussmuung 190a in richtiger Hohe uber dem Tisch, kurz, 
alles ist in raffinirtester Weise darauf be- 
rechnet, dass man sich in der Arbeitskapelle, ungestört durch die Schar 
der übrigen Mitarbeiter, dem Studium hingeben kann. Vor den Sandstein- 
pfeilem des Mittelschiffes, die elegante Netzgewölbe tragen, sind prachtvolle 
schmiedeeiserne Lichtträger angebracht. Vielleicht sind unsere lichtvollen, 
weiten, meist durch eiserne Träger unschön zertheilten modernen Bibliotheks- 
räume praktisch, um die Besucher zu überwachen, aber um so unangenehmer 
für diese, die durch jeden geräuschvoll Eintretenden, durch jede Bewegung 
irgend eines im Saale Befindlichen, alle zugleich gestört werden und deren 
geistige Arbeit sicherlich nicht in solch einem grossen Arbeitszuchthaussaal 
sonderlich gefördert wird. In der Rylands-Library aber stimmt das Ganze 
andächtig. Die mit decenter Eleganz und raffinirter Behaglichkeit ausge- 
statteten Winkel verlocken förmlich zum intimen Studium. Sie gewähren
	        

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