MAK

Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 8)

tragen, wenn man ihnen anspürt, dass ihre Darbietung dem Spender nicht 
nur Pflicht, sondern Vergnügen bereitet, dass er nicht nur gab, sondern 
gerne und reichlich spendete. Und wie ein wahrhaft vomehmer Mann eine 
erbetene Gabe nicht hochmüthig dem Bittsteller zuwirft, sondern in 
gewinnender Form übergibt, so macht es in England Vielen ein besonderes 
Vergnügen, Armen- und Krankenhäuser, Schulen und Volksbäder aus Lieb- 
haberei zu bauen. Eines der glänzendsten Beispiele bietet hiefür die Arbeiter- 
stadt Port Sunlight bei Liverpool, die der Seifenfabrikant Lever, ein ebenso 
grosser Menschenfreund wie intelligenter Kunstliebhaber in herrlicher Lage 
an der meerbusenartigen Mündung des Clyde-Stromes gründete. Neben 
den gewaltigen Fabriksgebäuden zieht sich das ausgedehnte Arbeiterdorf 
hin, zu dessen Errichtung Architekten ersten Ranges Entwürfe beisteuern 
durften. Vom ersten Tage an wuchs daher diese Stadt nach einem künst- 
lerisch gestalteten Gesammtplan heran. Die Häuser sind stets zu malerischen 
Gruppen vereinigt, zwischen denen breite gerade Fahrwege, wechselvoll 
gestaltete, mit grünenden Bäumen oder mit Rasen geschmückte Plätze und 
kleinere gekrümmte Strassen sich hinziehen. An diesen entstanden nun 
im Laufe der Jahre und unter der Hand der verschiedenen Architekten 
die reizvollsten Bauten. (Abb. S. 338). Die einfachen Wohnhäuser der 
Fabrikarbeiter zeigen auf beschränktem Raum einen sehr praktischen 
Grundriss. Im Erdgeschoss eine grosse, auch als Wohnraum dienende 
Küche, dahinter eine kleinere Waschküche, Speisekammer und, was auch 
nur in England möglich, in jedem, auch dem kleinsten Arbeiterhaus 
ein bescheidenes Badezimmer, das heisses Wasser vom Küchenherd 
aus erhält. Im Obergeschoss sind dreiSchlafräume angeordnet (deren grösster 
etwa 5 zu 3 Meter Grundfläche hat) und in dem kleinen anschliessenden I-Iof 
Kohlenkammer und andere unentbehrliche Nebenräume isolirt. Die Woh- 
nungen der Vorarbeiter, der Ingenieure, kaufmännischen Angestellten 
und Betriebsleiter sind entsprechend geräumiger und besser ausgestattet. 
Dazu kommen Kirche, Schule, Krankenhaus, je eine gemeinsame Speise- 
anstalt für die unverheirateten Mädchen, eine andere für die Junggesellen, 
weiterhin die unentbehrlichen grossen Spielplätze für Alt und Jung. Ein 
kleiner Park wurde gewonnen, indem man das trocken gelegte Bett eines 
Flüsschens anpflanzte und zu einem malerischen Thal ausgestaltete. So 
übertrifft dieses Arbeiterdorf manche grössere Stadt an Schönheit. 
Vor allem ist jede Häusergruppe individuell gestaltet. Alle Errungen- 
schaften des Queen Anne-Stils, alle Mannigfaltigkeit des Materials, alles 
Malerische im Aufbau ist zur Anwendung gebracht, und dabei gerade an 
den einfachsten Arbeiterhäusem mit den geringsten Mitteln überraschender 
Effect erzielt. Bald sind die Wände aus Ziegeln aufgemauert, bald verputzt 
und weiss oder grau getönt, bald mit Holz verkleidet oder als Fachwerkbau 
entwickelt (Abb. S. 33g). Dazu kommt die Mannigfaltigkeit der Dachformen, 
die bald mit Ziegeln, bald mit Schindeln oder mit Schiefer gedeckt sind, hier 
mit der Giebelseite, dort mit der Langseite sich der Strasse zuwenden und
	        

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