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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 8)

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ausgestaltet und umprägt, 
mit seiner frischen üppigen 
Phantasie kraftvoll durch- 
dringt (Abb. S. 342 und 
S- 343)- 
Die Skizze, die im vor- 
stehenden von der modernen 
englischen Profanbaukunst 
gegeben wird, bedürfte zu 
ihrer Abrundung eines Aus- 
blickes auf den gleichzeitigen 
englischen Kirchenbau. Auch 
darüber haben wir durch 
Muthesius' gründliche For- 
schungen neue und wichtige 
Aufschlüsse, ja zum ersten- 
male ein erschöpfendes Bild 
auf cultur- und religionsge- 
schichtlicher Grundlage er- 
haltenf" Die englische kirch- 
liche Architektur, für die in _ _ _ 4 
baukünstlerischer Hinsicht Vasen, Fayence. änlzlzßkkavcrltgzsntdellrprltgeZygotäincinnan, Pauser 
vorwiegend der Staats- 
kirchenbau in Betracht kommt, hält im Gegensatz zum Profanbau bis heute 
an der Neugothik fest. Sie hat dabei in formaler Hinsicht eine bewunderns- 
werte Reife, eine so ausserordentliche Verfeinerung erfahren, dass wir 
damit über die mangelnde constructive Entwicklung uns trösten müssen. 
Die grossen Fragen des protestantischen Kirchenbaues, der Streit über die 
beste Form der Predigtkirche, blieb in der englischen Staatskirche gegen- 
standslos," da hier eine antireformatorische, katholisirende Richtung absolut 
herrscht, welche die rituellen Formen in Nachahmung des katholischen 
Cultes immer reicher entwickelt, die Predigt aber möglichst zurückdrängt. 
Darum ging das Streben nicht dahin, neue Bauformen zu entwickeln, neue 
Grundrisse zu gestalten, sondern die alten katholischen, mittelalterlichen 
Kirchen mit möglichster Treue nachzubilden. Chorgesang und Orgelconcert, 
feierlicher Aufzug der kostbar gekleideten Priester und Sänger, Altardienst 
mit Weihrauchduft, Lichterglanz und Blumenschmuck, kurz das decorative, 
stimmungerregende Beiwerk wird im Gottesdienst der I-Iochkirche zur 
Hauptsache. Das verlangt eine entsprechende Umgebung, feierliche Kirchen- 
hallen, glänzend geschmückten Chorraum mit prachtvollem Hauptaltar, 
kurz die Entfaltung des Stimmungszaubers alter Kirchen. Auf doppeltem 
 
1 H. Muthesius, Die neuere kirchliche Baukunst in England, Berlin rgox. W. Ernst und Sohn. 
l" Dagegen liefern die Sectenkirchen wichtige Beiträge zur Lösung dieser Fragen, vgl. Muthesius, a. a. 0. 
S. m0 ff. 
4-14
	        

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