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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 8)

am, 
die rein decorativen Elemente einer Malerei ebenso heftig sich entwickeln 
mussten, von einem tiefen inneren Gesetz geleitet, das alles Unbeschränkte 
in Formeln binden will. Die ewige Melodie des Ausdruckes beruhigt sich, 
wenn sie auf die Harmo- 
nien der Decoration ge- 
setzt wird. 
Zu einer Zeit und 
an einem Ort, wo man 
gewohnt ist von deco- 
rativenDingen zu reden, 
ohne dadurch eine Ver- 
achtung der grossen 
Kunst zu verrathen, ist 
es nützlich, sich diese 
decorativen Elemente 
klar zu machen, die in 
wachsendem Einfluss 
am Ausdruck der Male- 
rei mitgearbeitet haben. 
Es handelt sich um for- 
male und farbliche Ein- 
flüsseDerSchmucksinn 
gibt der Linie, der Com- 
position, der Farbe eine 
Vertheilung, die den 
Vortrag des Gegenstan- 
des wesentlich bestim- 
Intarsia, Maison Krieger, Paris, Pariser Weltausstellung rgoo men  D61" Gegen- 
stand wird rnit einem 
Organ gesehen, das gar nicht anders kann, als ihn zugleich decorativ 
disponiren, und, was man „Stil" nennt, ist nur diese Dispositionsart von 
Formen und Farben, ist die rhythmische und tektonische Anschauung, unter 
der die Dinge gesehen werden. 
Der Raum, für den das Bild bestimmt ist, wird immer der Ausgangs- 
punkt für die decorative Anordnung sein. Im Decorativen findet sich das 
Gemeinsame zwischen Malerei und Bau. Eine Malerei, die nicht für irgend 
einen Raum gedacht ist, hat noch nie interessirt, weil ihr das Decorative 
fehlt, das sich mit dem Persönlichen deckt. Nicht das Object an sich, das 
uns in einer Malerei geboten wird, macht das Bild interessant, sondern seine 
Behandlung und diese Behandlung ist zu allen Zeiten von der Räumlichkeit 
abhängig gewesen. Wie die Alten das Auge der Kirche hatten, haben wir 
das Auge desZimmers. Wie sie eine Malerei alsBestandtheil einer Renaissance- 
wand fühlten, fühlen wir sie als bunten Fleck auf der Tapete oder dem 
Paneel. Aus diesen Gewohnheitsgefühlen heraus sind alle persönlichen 

	        

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