MAK

Volltext: Monatszeitschrift IV (1901/ Heft 10)

schreitend gelangt man an ein grosses Thor, das Portal der Ausstellung. 
Ein Zaun mit vielen Placaten grenzt dieselbe ab, nur die schöne russische 
Kapelle liegt innerhalb des Bereiches der Ausstellung als fremdartiger Bau, 
alles Übrige ist der Colonie gewidmet. 
Was einem bei dem ersten Gang durch die Colonie an Architektur 
auffällt, stammt fast ohne Ausnahme von J. M. Olbrich, nur das Haus des 
Professors Peter Behrens ist nicht von ihm, sondern von Behrens selbst 
entworfen und erbaut. Es ist also nicht Parteinahme, wenn vor allem von 
den Bauten Olbrichs gesprochen wird." 
Zuerst betrachtet man natürlich die Ausstellungsarchitektur. Und da 
ist das Seltsame zu constatiren, dass Olbrich, dem man sonst zwar 
nicht immer Constructives, aber jederzeit graciösen Einfall zugestehen 
musste, hier versagt hat. Das Äussere seiner Kioske, des Blumenhauses, 
der Gemäldegalerie - der Katalog sagt „Haus für Flächen-Kunst" - 
sind verunglückt. Zu seinem und seiner Kunst Glück hat der Künstler 
eine Wandlung zum Constructiven mitgemacht. Deshalb sind seine Wohn- 
häuser in Darmstadt so gut, deshalb seine flüchtigen, wie aus Aquarell- 
skizzen geborenen Holzbauten mit allerlei Bemalung und rein decorativem 
Facadenornament so schlecht. Da ist zum Beispiel das Blumenhaus, das 
innen ganz wundervolle Arrangements von Blumen in Verbindung mit 
Bronzen enthält, von aussen unsympathisch, ohne Rückhalt in der Be- 
deutung; man wundert sich immer mehr, wie Olbrich, der so gerne das 
Sinnige, den innerlichen Zusammenhang von Form und Benützungszweck 
betont, für Blumen einen Raum schaffen konnte, der durchaus nicht auf die 
zarte poetische Innenwirkung vorbereitet, sondern eher für jede andere 
Verwendung bestimmt scheint. 
Ebenso erscheint mir der dreieckige, allzu grossflächige Bau der 
Gemäldegalerie verfehlt. Die Holzcurven, die rechts und links, angeblich 
als constructive Stützen aus den Seitenwänden herauswachsen, geben 
dem Bau die Form eines Wracks. In erfreulichem Gegensatze zu 
diesen verfehlten Bauten stehen die festen, sozusagen für die Ewigkeit 
bestimmten Werke. Da ist es nun merkwürdig, zu beobachten, dass 
dem Künstler gerade jene Häuser am besten gelungen sind, von denen 
man einen innigen Zusammenhang mit der Landschaft verlangt: die 
Wohnhäuser. 
Steht man auf dem Abhange, der sich vom Ernst Ludwig-Haus, dem 
gemeinsamen Arbeits- und Repräsentationshaus der Colonisten, zum Gebäude 
für Flächenkunst herab erstreckt, so hat man rechts und links in freier 
Anordnung das farbige Haus Christiansen, die beiden Häuser Glückert, dann 
das Haus Habich, Haus Keller und, etwas nach der Tiefe des Raumes zu 
abgelegen, das Haus Deiters, diese alle ganz weiss. Alle diese kleinen 
Familienhäuser fügen sich trefflich in die sanfte Landschaft. Es kam dem 
"' Die Abbildungen 0lbrich'scher Arbeiten sind dem schönen Tafelwerke entnommen, dessen x. und 
2. Lieferung im Verlage von E. Wasmuth in Berlin soeben erschienen ist.
	        

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