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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901/ Heft 10)

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Das Haus Olbrich konnte am besten eingetheilt werden. Es ist das 
Haus eines Junggesellen, eines Künstlers. Hiemit sind die Bedürfnisse ausge- 
drückt, ebenso auch die Forderungen, die an den Grundriss gestellt werden. 
Olbrich hat folgende Lösung ver- 
sucht: Der Eingang führt über Stu- 
fen auf eine Piazzetta, hinter der 
das Speisezimmer liegt. Links vom 
Eingange betritt man die Halle, 
den grössten Raum, der auch durch 
die Höhe (er geht durch zwei 
Stockwerke) frei wirkt. Hier soll 
das gesellige Leben des Hauses 
vor sich gehen. Anschliessend ist 
ein kleines Arbeitszimmer, aus dem 
ein zweiter Ausgang ins Freie 
führt. Geht man (nicht sehr erfreut) 
die steile Holzstiege hinan, so 
findet man im ersten Stock _ 
darmstädtischdeutsch heisst das 
noch immer Bel-Etage ä Schlaf- 
und Badezimmer, sowie einen 
Wohnraum mit Alkoven, der auch 
als Fremdenzimmer dienen soll 
und noch ein Fremdenzimmer. Das 
letzte Stockwerk enthält noch 
Frerndexfzirnrner sPWi_e Diener- Ausstellung der Künstlercolonie in Darmstadt, Haus 
räume; im Souterrain liegt Küche, Olbrich, Das grosse Fenster im grünen Zimmer 
Waschküche, Baderaum für die 
Dienerschaft. Diese Skizze zeigt, dass die Lösung noch nicht ganz gelungen 
ist. Vor allem gerathen alle Räume zu klein. Dann fehlt ein intimer 
Wohnraum, wenn das Haus von wenigen geselligen Menschen bewohnt 
wird, denen die hohe Halle bald zu weit erscheint. Denkt man aber an 
einen Junggesellen, so vermisst man die Räumlichkeiten, die einer so 
vornehmen Behausung für einen Angehörigen dieses Standes entsprechen: 
Billardsaal, ein Zimmer für eine Kartenpartie oder Ähnliches. Es darf auch 
nicht übersehen werden, dass das Haus keinen einzigen intimen Empfangs- 
raum hat. Die Halle ist für zwei Menschen zu weit; der Arbeitsraum durch 
den Tisch ausgefüllt und sonst steht - das Speisezimmer ausgenommen - 
in jedem Raum ein Bett; wo sollen also intime Gespräche in diesem Hause 
stattfinden? Nun ist diese Kritik, wie jede Kritik eines der Darmstädter 
Häuser bald genug widerlegt durch die Bemerkung: Das Haus hat ja Herr 
Olbrich für sich gebaut; ihm passt es. Was wollen Sie, Herr Recensent? 
Nun hier ist eben die Zwitterstellung der Colonie als Wohnort und Colonie 
als Ausstellung. S0 müssen sich die Herren allerlei Ausstellungen gefallen 
 
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