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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

Beziehung herrscht da. Man ärgert sich ja über den falschen Eindruck, den 
auf diese Weise mancher Besucher der Ausstellung über das wahre 
Niveau bekommt, aber zu Bemerkungen über den Niedergang der eng- 
lischen Möbelkunst ist wahrhaftig weder Grund noch Anlass. Man sieht 
also falsche Sheratonmöbel, einiges in der Art Chippendales, bessere 
oder schlechtere Schnitzereien - keine Ahnung von neuen Formen, 
Farben, Linien - von einer künstlerischen Ausgestaltung gar nicht zu reden. 
Nur wenige Firmen machen Ausnahmen. Die Herren Heal and Son haben 
ihr Pariser Zimmer wieder ausgestellt, das zarte Schlafzimmer aus gelbem 
Naturholz mit den Zinnintarsien, die Walton Company Ltd. neben ein paar 
recht complicirten Möbelstücken ausgezeichnete Beleuchtungskörper und 
gute, an die Morris Tradition anknüpfende Tapestry (meist für Wand- 
bekleidung). Die London Society of artists schliesslich, um in der That alles 
zu erwähnen, was irgend neu ist, hat lustige Kindermöbel, ungemein einfach 
in der Construction, nach Kistenart gezimmert und mit naiv-primitiver 
Malerei geschmückt, die zusammen mit den vorzüglichen Friesen, denke ich, 
gut imstande ist, den kindlichen Sinn für Farben zu wecken. 
Der kunstgewerbliche Clou der Ausstellung aber ist die Leistung des 
HausesWhylie and Lochhead Ltd. in Glasgow. Zwei verschiedenartige Räume 
kommen in Frage. Einerseits die Royal Reception Rooms, von den Herren 
Whylie and Lochhead eingerichtet, aber doch nicht frei entworfen, sondern 
nach Bestimmungen der Commission historischen Stilen nicht allzu glücklich 
angenähert. Das Beste dieser Empfangsgemächer ist die Halle, aus der sich die 
Freitreppe hebt. Die Farbe von Decke und Stiegenhaus ist elfenbeinweiss, 
das Holz also lackirt, sehr gut ist die Wandverkleidung, Stoff mit leicht 
stilisirtem Blumenmuster. Die Formen der grünen Möbel sind die typischen 
englischen schlanken der Zeit nach Sheraton. Der anschliessende Speisesaal 
verdankt der Anlage nach all seine Wirkung dem Holze leichtgrauer Eiche. 
Die Täfelung der schlichten, in leichtem Relief gehobenen Quadrate geht 
hoch hinauf, an sie schliessen sich decorative (nicht allzu originelle) Bas- 
reliefs aus weissem Stuck. Den dritten Stimmungswert, eine bunte auf- 
frischende Wirkung, geben dem Raume der orientalische" Teppich und die 
Stahlmontirung des Kamins. Der Stil ist frühenglisch, man sagt genauer: in 
dieser Art richtete man im zweiten Viertel des XIX. Jahrhunderts Schlösser 
ein, und schon damals lehnte man sich eben an historische Vorlagen an. Die 
erste Hälfte des letzten Säculums bedeutete für Grossbritanniens Aussen- und 
Innenarchitektur ja eine Wandlung durch alle Spielarten der Gothik bis zum 
Queen Anne-Stil, fast bis zur Renaissance. Der Salon der Royal Reception 
Rooms ist im Stile Louis XV. gehalten, doch ist derlei vielemale accurater 
und schöner gemacht worden. 
Weitaus interessanter als diese Räume ist der Pavillon der Herren 
Whylie and Lochhead, wo sie sich und ihren Zeichnern freie Möglichkeit 
zur Entfaltung ihrer künstlerischen Einfälle geben konnten. Da ist denn auch 
eine Menge Neues, sicherlich Originelles zu sehen, und mehr als man es
	        

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