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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

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breiten Behandlung graphischer Darstellung. Ganz anders wieder ist Otto 
Greiners Kunst; er ist der Meister der scharfen, bestimmten Zeichnung, 
seine Actzeichnungen sind unübertroffen in der sicheren Modellirung, in der 
freien, lebendigen Auffassung; seine Bildnisse der Frau Cosima Wagner und 
Siegfried Wagners (Radirungen) sind fein und kraftvoll in der Charakteristik, 
seine Ex-libris sind geistreich und wohl componirt. Für Georg Kolbe 
bedeuten die Steindrucke Tod und Menschheit, Flucht, Kampf mit dem 
Engel starke T alentproben und Anweisungen auf eine erfolgreiche Zukunft 
in der Richtung der Phantasiekunst. Die zahlreichen Blätter Georg Jahns 
zeigen, was sich ohne den Zusatz einer starken künstlerischen Persönlichkeit 
auf dem Wege emsigsten, unermüdlichen Fleisses und sorgsamen Natur- 
studiums in der Radirung erreichen lässt. Endlich sind von Dresdener 
Künstlern noch Richard Müller und Georg Erler zu nennen. 
Auch Berlin war mit gewichtigen Namen vertreten, als da sind: Adolph 
Menzel, Max Liebermann, Karl Köpping, Ludwig von Hofmann, Leistikow, 
Franz Skarbina, Käthe Kollwitz und Albert Krüger. Von Adolph Menzel 
sahen wir eines seiner seltenen Aquarelle, eine Rüstung darstellend, von 
Max Liebermann eine Farbenstudie zu seinem Bilde „Waisenmädchen in 
Amsterdam", ein hervorragendes Zeugnis für Liebermanns Kunst, mit ganz 
wenigen Strichen das Wesentliche und die volle Bildwirkung anzudeuten, 
dazu ein halbes Dutzend Zeichnungen: schreitender Bauer, Eselreiten, 
Dorfstrasse u. s. w. Seelische Werte sucht man bei Max Liebermann nicht; 
sein Können und sein Ruf beruht auf seinem scharfen Auge für das 
Charakteristische im Ausdrucke und in der Bewegung, in seinem zeichneri- 
schen und malerischen Können. Wer mehr von der Kunst verlangt, innere 
Andacht, seelenvolle Stimmung, monumentale niederzwingende Grösse, der 
wird bei Liebermann nicht auf seine Kosten kommen. Seine einseitig äusser- 
lieh virtuose Kunst als das Höchste zu bezeichnen und aus seinem Gesichts- 
winkel die gesammte Kunst zu beurtheilen, wie dies in Berlin geschieht, ist 
eine starke Überschätzung Liebermanns, mag er auch im dortigen Kunst- 
leben eine Macht bedeuten und seinerzeit durch den Import des 
Naturalismus segensreich gewirkt haben. 
Die innere Wärme, die leidenschaftliche Seele, die in der Kunst nach 
aussen drängt und im Beschauer gleich starke Empfindungen erregt, die 
finden wir im Gegensatze zu Liebermann bei Käthe Kollwitz, wenn auch nur 
in einer bestimmten Richtung ausgeprägt. Der „Tanz um die Guillotine" 
zwischen hohen I-Iäusern in dunkler Strasse, und der „Bauernkrieg", ein 
mit erhobenen Armen, geschwungenen Sensen und fliegenden Fahnen wild 
und rachedurstig dahinrasender Haufe zeigen wieder die hervorragende 
Kraft der Künstlerin, Volksbewegungen energischer Stimmung impressioni- 
stisch wirksam zusammenzufassen. Der Racheengel in den Lüften ist 
allerdings missglückt. Ihr Selbstbildnis, das von Energie und social wirkender 
Kraft zeugt, und das schlafende Kind, das mit wahrhaft Holbeidscher Kraft 
gezeichnet ist, zeigen übrigens, auf wie ernsten Studien Käthe Kollwitzens
	        

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