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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 11)

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gearbeiteten Emailarbeiten aus Paris zu erfreuen, musste man von" den 
meistens in der Cocottenregion sich bewegenden Compositionen absehen. 
Hingegen bewährten die eigentlichen Gebrauchsgegenstände, Speisegeräthe 
u. dgl. wieder das oft mit Neid bemerkte Talent der Franzosen, Zweck- 
mäßigkeit mit gefälliger Form zu verbinden. 
Die russische Abtheilung schien dem Publicum besonders zu impo- 
niren. Viel trugen dazu unzweifelhaft die aus kaiserlichen Edelstein- 
schleifereien hervorgegangenen colossalen Gefäße aus Halbedelsteinen mit 
ihren ebenso colossalen Preisen (z. B. ein Paar Vasen aus Rodonit 
28.550 Rubel!) und dann der Umstand bei, dass so viele Gegenstände 
das Gepräge des Exotischen haben. Arbeiten aus Abo, Twer, Perm, 
Charkow, Nowgorod, Kasan, Tula, Tiilis, Dagestan, Turkestan auf einem 
Platze vereinigt mit solchen aus Petersburg, Moskau und Warschau: das 
musste ein überraschend reiches und namentlich buntes Bild geben. Lei- 
stungsfähigkeit im Allgemeinen, technische Geschicklichkeit und Fleiß 
konnten Respect einflößen. Allein man wurde auch in anderer Beziehung 
stets daran erinnert, sich einer völlig fremden Welt gegenüber zu be- 
Finden. An jenen Vasen war nichts zu bewundern als der ungewöhnlich 
große Steinblock, und unwillkürlich erinnerte man sich daran, welche Herr- 
schaft die Kunst in römischer Zeit über die härtesten Stoffe, wie Porphyr, 
gewonnen hatte. Das orientalische Email ließ zu oft die Farbenharmonie 
vermissen, welche sonst an demselben erfreut, und grelle Farbenzusammen- 
Stellungen fielen auch in anderen Zweigen auf. Die Silbergeräthe mit 
nationalen Scenen in Aetzung sind nur in ethnographischer Beziehung 
von Interesse. Unter den von der Staatsnotendruckerei ausgestellten 
Heliogravure-Platten entdeckte ich verschiedene alte Bekannte, z. B. die 
Decke einer Adresse, welche das Oesterr. Museum im Jahre 187i seinem 
hohen Protector überreichte, Theile von Laufbergefs Opernvorhang u.A. m. 
Die kaiserliche Glasfabrik in Petersburg, welche früher den farbigen 
Decor pllegte, hatte diesmal geschliffenes Krystallglas vorzüglicher Qua- 
lität ausgestellt, während das mit Weiß (ob Schmelz oder Lackfarbe, 
konnte ich nicht untersuchen, doch wird es wohl die letztere sein) be- 
malte Eisglas sich sehr unvortheilhaft ausnimrnt. Von großer Feinheit 
war ein Porzellanservice in Rococostil mit mattem und mehrfarbigem 
Goldornament von der kaiserlichen Porzellanfabrik. Mosaiken von bedeu- 
tender Farbenwirkung hatte die Kunstakademie in Petersburg ausgestellt. 
Die Keramik (dies Wort hier im weiteren Sinne genommen) wies 
überhaupt mancherlei Interessantes auf. In Dänemark lernte man ver- 
schiedene Geschäfte kennen, welche in der Art der bekannten Firma 
Ipsen's Witwe antike Terracotten nachbilden und neue in antikisirendem 
Stil anfertigen. V. S. Wendrich in Kopenhagen geht so weit, Bronze- 
gefäße und Runensteine in gebranntem Thon zu imitiren, während eine 
noch neuere Anstalt, Budde-Lund ebendaselbst, Büsten ausgestellt hatte, 
an denen rothe Masse das Fleisch, gelbliche das Haar und weißer Schlicker
	        
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