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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

Wiener Xnterieurkunst eine ganz persönliche, glänzende Note angeschlagen. In den Schul- 
ausstellungen war sein Bereich stets einer der belebtesten und an positiven Ergebnissen 
reichsten. In den letzten Jahren erregten einzelne bedeutende Leistungen seiner Schule 
auch die Aufmerksamkeit des grossen Publicums. Er hat die Phantasie eines Theiles des 
Nachwuchses kräftig angeregt und durch intensive technische Schulung seine Ausdrucks- 
fahigkeit gesteigert. Sein Name bleibt mit einer der I-Iauptrichtungen des Wiener Kunst- 
gewerbes verknüpft. 
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U UNSEREN ARCI-IITEKTONISCHEN UND KUNSTGEWERB- 
LICHEN ABBILDÜNGEN AUS HQLLAND. Dem Kunstschriftsteller 
Herrn J. H. de Groot in Amsterdam verdanken wir eine Anzahl interessanter Reproduc- 
tionen moderner Architekturen und kunstgewerblicher Objecte verschiedener Art, die wir 
hier zum Abdrucke bringen. Einem ausführlichen Berichte über die Tendenzen der 
modernen Richtung, den Herr de Groot beizufügen die Güte hatte, und aus welchem 
hervorgeht, dass diese Bewegung auch in Holland immer weiter um sich greift, 
entnehmen wir Folgendes: Obwohl vollkommen im Banne jener Bestrebungen auf 
dem Gebiete der Architektur und des Kunstgewerbes, welche in allen übrigen Cultur- 
ländern massgebend sind, hat Holland aus den localen Bedingungen und Anregungen 
heraus in den letzten Jahren doch so Manches geschaifen, das eigenartig genug ist, um 
ein ganz specielles Interesse für sich in Anspruch zu nehmen. In der Architektur hat 
Holland zwei Hauptaufgaben. Die eine besteht darin, den modernen Erfordernissen der 
Handelswelt Rechnung zu tragen, die andere hat die Entwicklung des Wohn- und Familien- 
hauses zum Ziele. In bezeichnender Weise sind die Bautendenzen auf diesen beiden 
Gebieten ganz verschiedener Art. Im Bau der grossen Lager- und Kaufhäuser zeigt sich 
eine von localen Einwirkungen fast völlig freie Weltkunst, der selbst amerikanische Züge 
nicht fremd sind, wie wir es zum Beispiel an dem Gebäude des Verbandes der Dia- 
mantenarbeiter in Amsterdam von I-I. P. Berlage wahrnehmen können, das bei aller 
Einfachheit eines modern-monumentalen Charakters nicht entbehrt. Anders verhält es 
sich in jenen Fällen, wo der Architekt auf das Familienleben mit seinen Ansprüchen auf 
Comfort, Abgeschlossenheit, individuelle Neigungen u. s. w. Rechnung zu tragen hat. 
Hier knüpft der holländische Architekt an den modernen englischen Cottage-Stil an. 
Die Auffassung des Hauses als einer in sich abgeschlossenen künstlerisch durch- 
gebildeten Individualität, deren Charakter sich nicht nach irgend welchem stilistischen 
Schema aus vergangenen Kunstperioden entwickelt, sondern aus der Form, Grösse, Anzahl 
und Gruppirung der Innenräume hervorgeht, hat auch hier grundstürzende Umwandlungen 
zur Folge gehabt. Auch hier erfolgt mit strenger Consequenz die Belichtung der Räume 
nicht nach Egalitäts-Erfordernissen der Facade, sondern ganz nach Bestimmung, Vortheil 
und Bedürfnis des Innenraumes. Grosse Fenster, wo helle luftige Räume erwünscht sind, 
kleinere, wo es sich mehr um Schutz und Abschliessung gegen aussen handelt. Eigentliche 
Facadenbildungen nur bei I-Iäuseriiuchten in Strassen, beim freistehenden, von Garten- 
anlagen umgebenen Familienhause dagegen eine gleichmässige künstlerische Begünstigung 
nach allen Seiten. So präsentiren sich zum Beispiel die Landhäuser des Architekten 
J. Stuyt in Helmond und Overven, und anderseits die Wohnhäuser desselben Architekten 
bei l-laarlem, sowie jene von Eduard Cuypers in Amsterdam. 
So wie sich in der Architektur der englische und holländische Einfluss, welch letzterer 
wieder einen unleugbaren Zusammenhang mit deutschem Wesen aufweist, die Wage 
halten, so auch die Form und Construction der Möbel. Wenn hier etwas Eigenartiges 
hervorgehoben werden soll, so ist es die Abneigung gegen das Extreme, allzu Ungewohnte
	        

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