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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

4'.) 
Unechtheit kennt - Potemkidsche Dörfer, meine Lieben, aber es ist mm 
einige Zeit seitdem vergangen und wir reisen nicht mehr in Postkutschen 
durchs Land! Sehr zufrieden kann man mit den Theehäusern der Mrs. 
Cranston sein; dieser Dame hat das 
schottische Kunsthandwerk überhaupt 
viel zu danken. In der hastigen, be- 
triebsamen, recht unkünstlerischen 
Stadt Glasgow sind ihre in der ver- 
schiedensten Art eingerichteten Tea- 
rooms ein behaglicher Aufenthalt 
künstlerischester Form. Eine grosse 
Zahl bekannter Architekten hat ihr bei 
der Einrichtung und Ausschmückung 
geholfen; auch Mackintosh gehört 
übrigens zu diesen. 
Soll ich nun aber von den „wirk- 
lichen" grossen Ausstellungsbauten 
sprechen, so ist wahrhaftig nicht leicht 
Böses genug zu sagen. Da ist also die 
grosse Industriehalle, ein schon im 
Grundriss missglückter Bau, der wie 
gestückelt aussieht, den Eindruck 
macht, als hätte man da und dort 
rasch noch ein Eck, einen Winkel für 
eine Bude angeklebt. Nur der Mittel- 
bau ist wirklich als volle und runde _ 
Architektur anzusehen. Eine Frei- Ausstellung in Glasgow, Salonschrank von Mssrs. 
treppe führt in eine Säulenhane _ Whylie and Lochhead Ltd. in Glasgow 
korinthische Säulen passen nicht allzli 
stilgemäss, glaube ich, zu maurisch beeinflusster Renaissance. Die Säulen 
sind natürlich aus Gips. die Wände tragen Gipsaufsätze. Hübsch ist nur die 
Idee, in die Fenster, die in die Eingangshalle hineinsehen, Blumen zu stellen. 
So muss Natur mit sogenannter Kunst versöhnen. Die Innendecoration ist noch 
bedenklicher als der Aufbau: sie fehlt fast ganz. Man hat den einzelnen Ländern 
 
in ihnen den einzelnen Ausstellern - denn in Glasgow herrscht wieder 
Trennung der Nationen und das Nebeneinander von Schuhen, Gläsern, 
Möbeln und Messerschmiedearbeiten - die Decoration überlassen und 
sich mit einem weissfarbig kahlen Verputz der Wände begnügt. Nur der 
kuppelförmige Mittelsaal ist geschmückt, und zwar mit dünnen, nichts- 
sagendenDeckengemälden, gegen die die-oberflächlichen Rochegrossdschen 
Arbeiten der Pariser Halle Meisterwerke sind. Als Supraporte über den 
Eingangsportalen dienen Einsätze aus Doulton'scher Keramik, ein verfehlter 
Ersatz für Glasfenster, die eben durch das durchströmende Licht Farben- 
wirkungen bekommen, die der dichten Fayence nie gegeben sind. Der Stil
	        

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