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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 1)

eignet, auszuüben vermögen. Mit dem Bie- 
dermeierstil, der in seinen verflachenden 
Ausläufern so viel gute Traditionen ver- 
nichtet, hört auch der Schlüssel als Kunst- 
werk zu existiren auf. Der Weichguss ver- 
drängt den Stahl und damit den letzten Rest 
künstlerischen Gehaltes von Schlüssel und 
Schloss. 
Mit der Entwicklung beider und mit 
ihrem Verfalle ist aufs Innigste verbunden 
das Schlüsselblech oder Schlüsselschild. So- 
lange der Schlosskasten nach aussen lag, 
bedurfte man keines Schlüsselschildes, auf- 
gelegte Verzierungen zur Erleichterung der 
Schlüsseleinführung genügten. Die Zurück- 
ziehung des Schlosses hinter die Thüre 
nöthigte jedoch zur Anbringung eines Orna- 
mentes, welches zugleich die Ausstemmung 
des Schlüssellochs verdecken und dem 
Schlüssel den Weg weisen sollte. Diese 
Neuerung tritt mit dem Ausgange der Gothik 
auf und sie ersetzt theilweise den Wegfall 
des reichen Beschläges, mit welchem die 
Gothik ihre Thüren so reich und wuchtig 
auszustatten pflegte. Frauberger hat berech- 
net, dass bei einer Zimmerthür 1 Quadrat- 
centimeter sichtbarer Beschlag in der Gothik 
auf 7 Quadratcentimeter Holz, in der Renais- 
sance auf 9, im Rococostil auf 240 und in der 
Empirezeit auf 800 Quadratcentimeter I-Iolz 
entfällt, bei einer Kastenthür ist die Relation 
von Gothik, Renaissance und Rococo 
72122300. 
Die Schüsselschilde, nun aus Bronze, 
Kupfer, Messing, sehr frühe aber auch schon 
aus Eisen gebildet und darin dann durch 
lange Zeit fast ausschliesslich verharrend, 
beschränken sich keineswegs lediglich auf 
Andeutung des Schlüsselloches durch schma- 
len ornamentalen Rahmen, sondern erheben 
sich oft zu ansehnlichen Grössenverhältnis- 
sen, erhalten reizvollen vielgestaltigen 
Schmuck, der aber immer in innigem stilistischem Zusammenhange mit dem 
Schlüssel steht, dem er den Weg zum Schlosse zu weisen hat. Die Zierformen 
H. Müller. SchnittenBi-onze von]. Kalmär, 
Sockel aus der k. k. Fachschule in Hoiiä
	        

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