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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 1)

Schlüssel aus vergoldetem 
Silber. xvn. Jahrh. (Samm- 
lungdesk.RathesTh.Theyer) 
 
Pippich, Bernt schliessen sich an. 
Im Pastell-Porträt sind Fröschl, 
Dr. Bunzl, Trentin zu nennen, im 
Genre vor allem Fräulein Hilda 
Kotanyi mit ihrem grossen Bilde: 
„Publicum heim Schwurgericht", 
nicht weniger als elf lebensgrosse 
Köpfe von gespanntem Ausdruck 
und weicher luftiger Behandlung. 
Unter den fremden Gästen ist zu- 
nächst die königlich belgische Ge- 
sellschaft der Aquarellisten zu nen- 
nen, die einen ganzen Saal liillt und 
interessante Meister aufzuweisen 
hat. Der Originellste ist Alfred De- 
launois (Löwen), der die gespen- 
stige Öde und trostlose Perspecti- 
vität der langen weissen Corridore 
förmlich phantastisch macht. In 
einem dieser Corridore hängt an 
einem Nagel ein schwarzer Mantel; 
das wirkt unheimlich wie eine 
Scene Goyas. Dieses Bild: „Le 
manteau" ist auch schon vielfach 
reproducirt worden. Sehr fein sind 
Charlets sammtig hingewischtes 
„Brügge im Schnee", Stacquets 
rembrandisirende Interieurs, Raoul 
Franks prickelnde blaue Marine, 
Cassiers zierlich alterthümelnde 
Provinzbildchen. Jacob Smits da- 
gegen treibt in Porträts und heili- 
gen Gruppen den breiten Coloris- 
mus der alten Meister, der ihm 
Schlüssel, deutsch, XVII. jahrh. 
(Sammlung Dillinger, k. k. Tech- 
nologisches Gewerbe-Museum) 
freilich nicht zur zweiten Natur werden will. In langen Serien sieht man ferner die Graphik, 
meist farbige, einiger Meister des Auslandes. 
Die farbigen Radirungen von Boutet de 
 
Schlüsselschild, XVJahrhunden (Samm- 
lung des kais. RatheS Th. Theyer) 
Monvel sind die interessantesten; köstlich zum Bei- 
spiel die langen schmalen Bildstreifen: „Canal de 
Loing" und „Der Kunde", in denen mit spärlichsten 
Mitteln originelle Licht- und Farbenwirkungen er- 
reicht sind. Auch E. Voruz ist höchst wirksam mit 
seinen farbigen Radirungen von einzelnen Laub- 
zweigen, die in Naturgrösse vor eine helle Luft 
mit nebelhafter Stadtsilhouette hingesetzt sind. 
Maurin, Jeanniot, Bejot, die Worpsweder u. a. 
haben treffliche Blätter. Schliesslich sind die grossen 
Applicationsstickereien von Fritz Rentzsch (Leipzig) 
zu rühmen, ganze Panele, darunter sogar ein 
„weiblicher Act in Mimosen", die ungewöhnlich 
decorativ wirken.
	        

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