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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 1)

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dieser Bilder erworben. Aus der Rahl-Schülerzeit sieht man grosse Entwürfe für die 
Leipziger Kunsthalle: Culturbilder vom goldenen Zeitalter bis zu einer Hochcultur, die 
gleichsam wieder ein goldenes Zeitalter darstellt. Diese Entwürfe wurden nicht einge- 
sandt, also auch nicht ausgeführt. Selbständiger sind die Entwürfe für die „Zonen- 
bilder" zur Ausschmückung des Pa- 
lais Epstein, von dessen späterer Be- 
sitzerin, der Gasgesellschaft, sie in 
den Besitz Otto Wagners überge- 
gangen sind, dessen Hütteldorfer 
Villa sie nun schmücken. Ferner sah 
man die Entwürfe zu den Wandbil- 
dem im gothischen Schlosse des 
Erzherzogs Leopold zu Hörnstein. 
Sie schmücken dort den Gartensaal, 
und zwar indem sie auch über die 
Thüren hinziehen, so dass durch 
das Verschwinden der Ausgänge 
diese Phantasiewelt sich vollkom- 
men abzuschliessen scheint. Das 
Ganze ist als ein Jagdzug, der früh 
morgens von der Burg ausgeht und 
vierundzwanzig Stunden lang allerlei 
Episoden erlebt. Der Ritter wird 
sogar von Räubern in eine Höhle 
entführt, er geräth auf der Flucht 
in einen Sumpf, er schläft auf dem 
Kirchhofein, er trifft einen Klausner, 
er erfrischt sich durch ein Bad im 
Bach u. s. w. Die Scenen ziehen sich über zwei Langwände und zwei Schmalwände und 
sind durch goldenes Stabwerk mit grünen Gehängen untergetheilt. Der Stil ist selbst- 
verständlich der historisch-landschaftliche der Schwind-Preller-Zeit, zu deren namhaften 
Leistungen dieses decorative Werk gehört. 
 
Schlüsselschild, XVI. jahrhundert (Kunst-Gewerbe-Museum 
in Prag) 
KLEINE AUSSTELLUNGEN. In der Galerie Miethke ist eine ansehnliche 
Bilderausstellung zu sehen, an der sich sechs österreichische und deutsche Künstler 
betheiligen. Als Hauptstück dient eine grosse Apotheose der Kaiserin Elisabeth, von dem 
Münchener Marr-Schüler Otto Herschel. Es ist ein Triptychon in reichern, vergoldetem 
Säulenrahmen. Das Mittelbild zeigt die Verewigte, in weissem Gewande einherschreitend, 
von Engeln begrüsst. Das eine Flügelbild enthält mehrere Engel mit Symbolen der 
Bescheidenheit, der Liebe und des Glaubens, das andere zeigt musicirende Mädchen vor 
der Paradiesespforte, durch die man in eine goldene Lichtwelt blickt. Der Künstler legt 
mehr Gewicht auf die farbige Phantasmagorie, als auf die Zeichnung. Besnard'sche und 
Watts'sche Einflüsse sind zu erkennen, nebst ihrem Untergrund von Frührenaissance. 
Phänomene des Verschwimmens und des Reflexes sind vorherrschend. Das Ganze eine 
jugendarbeit von Talent. Auch der Wiener Max Kurzweil geht in einem Dutzend Bildern 
modernen coloristischen Problemen nach, die namentlich aus Besnard und Aman-jean 
geschöpft sind. Ein grosses Bild: „Gelbe Blätter", wo sich breite Yuccablätter über einen 
Frauenkopf neigen und alles in eine unbestimmte Tonwärme zusammengeht, ist bezeichnend 
für sein Suchen. Das Spiel mit farbigen Dämmerungen ist Kurzweils malerischer Beruf. Die 
Abenteuer eines violetten Kleides im Helldunkel oder eines im eigenen Schatten glühenden 
bretonischen Mädchengesichtes. Nicht alles kann dabei gelingen. Der Triester Oskar Her- 
mann dagegen stellt sich fast immer das Problem des Teints, und zwar des zum Decollete
	        

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