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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

Zeit schmeicheln und dem 
Auge Rast bieten. Das 
Arrangement dieses Bildes 
ist besonders geschickt 
und originell. Das Mäd- 
chen wendet dem Be- 
schauer den Rücken zu, 
während ihr Gesicht als 
„profile perdu" erscheint. 
Die Modellirung des Na- 
ckens und der Backe gibt 
einen wunderbaren Ein- 
druck weichen, festen 
Fleisches. Neben ihr steht 
das Bassin mit dem Gold- 
fisch, dessen goldig rothe 
Schuppen einen wichtigen 
Ton in der Farbenstim- 
mung geben. Einen Theil 
des Hintergrundes füllt ein 
Flügel aus, auf welchem 
eine mit Blumen gefüllte 
Vase steht. 
Es zeigt sich hier 
richtiges Verständnis in- 
sofern, als trotz detaillirter Episode die Figur den ganzen Plan des Bildes 
dominirt. Diese Concentrirungsgabe ist einer der Hauptvorzüge der Glasgow- 
Jungen, und lenkt das Auge sofort auf das Hauptmotiv, anstatt es ziellos von 
Gegenstand zu Gegenstand schweifen zu lassen, wie es nur allzuoft bei den 
Bildern unserer Genremaler der Fall ist! Ausgearbeitete Interieurs zu malen, 
oder technische Arbeit auf die Wiedergabe von Stoffen zu verwüsten, 
verdirbt oft den Erfolg von figuraler Malerei. Man denke nur an Frank 
Dicksee's Porträt der Herzogin von Buckingham und Chandos, welches in 
der letzten Royal Academy-Ausstellung solches Aufsehen erregte. Dieses 
Porträt, welches direct sich an ein Publicum wendet, dem Prunk jedweder 
Art am meisten zusagt, könnte man am besten als ein Porträt eines schönen 
Brocatkleides bezeichnen, gekrönt von einem realistisch gemalten Juwelen- 
diadem auf dem Haupte eines schönen Weibes, dessen Persönlichkeit von 
dem Glanz der Stoffe erstickt wird! Die Ausführung stofflicher Details 
findet keinen Platz in dem Glaubensbekenntnis der Glasgow-Schule. Sie 
wird durch die ganze Pinselführung - wenn wir von Walton absehen - 
ausgeschlossen. Die Farbe wird in raschen, gleichmässigen Farbenstrichen 
von mässiger Dicke aufgelegt, so dass man jeden Pinselstrich deutlich sehen 
kann. Die Töne werden nicht auf der Palette gemischt, sondern behalten 
 
E. A. Walton, Porträt
	        

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