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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

eine deutliche Contour. In der 
Regel wird auch das feinere Studi- 
um der Werte vernachlässigt und 
der billigere Effect stark markirter 
Hochlichter und Schatten vorge- 
zogen. George Henry erlaubt sich 
mehr Freiheit in der Verwertung 
von Licht in seinen Bildern, und 
seine richtige, verständnisvolle An- 
wendung desselben verleiht seinen 
Bildern grosse Anziehungskraft. Er 
besitzt auch in hohem Grade die 
scharfe Beobachtung eines erfolg- 
reichen Charakterzeichners, wie 
sein vortrefflich realistisches Bild- 
nis von George Burrell und sein 
späteres Porträt von Elkan Kosman 
bezeugen. Ersteres ist in gebroche- 
nem Gelb und Braun gegen einen 
einfachen, lichten Hintergrund ge- 
malt, letzteres schwarz auf Schwarz 
mit grünlich-grauenTönen im Über- 
zieher. Es ist eine bekannte That- 
sache, dass die menschliche Hand ebenso ausdrucksvoll, zuweilen sogar mehr 
ausdrucksvoll ist, als das menschliche Gesicht, und zwar liegt der Ausdruck 
gerade so viel in den complexen Linien wie in der anatomischen Zusammen- 
setzung. Eine Hand „lebend" zu malen, erfordert nicht nur Gedanken und Ur- 
theilskraft, sondern auch sehr viel technische Fähigkeit, und wenige Maler unter- 
ziehen sich der Mühe, die jeder Hand eigenen charakteristischen Merkmale 
herauszufinden. George Henry ist einer derWenigen, und mit sicheren Pinsel- 
strichen, die mit Leben pulsiren, notirt er diese Merkmale auf der Leinwand. 
Walton ist der Romantiker der Schule, und sein Temperament ist dem 
des berühmten schottischen Malers Raeburn verwandt. Die Ähnlichkeit ihres 
Stiles liegt nicht nur im Arrangement des Porträts, sondern in ihrer Vorliebe 
für weiche, herbstliche Farbenstimmung: braun und gelb verschmilzt sich 
mit Rostfarbe und Rosa-Krapp. Ich kenne keine Porträts von Walton, die in 
der von Raeburn vorgezogenen al fresco-Manier gemalt sind - mit einem 
Lichtschimmer auf stürmischem Himmel und mit einer durch geschickt 
behandelte Massen dunkler Werte leicht angedeuteten Landschaft. Eine 
gegen einen derartigen Hintergrund gemalte Figur gewinnt an Leben und 
Freiheit, und man fühlt, dass Walton der Mann wäre, ihren Möglichkeiten 
vollkommen gerecht zu werden! 
In Walton ist auch der decorative Instinct deutlich ausgeprägt und ich 
habe in Gegenwart seiner Bilder oft gefühlt, dass er sich stets im Zaume 
  
E. A. Walton, Studie
	        

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