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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

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Reid Murray, Mondschein im Walde 
 
und machte den Namen „Glasgow-Schule" zu einem Synonym für schöne, 
lebhafte Farbe. Seither haben sich die Dinge geändert. George Henrys Talent 
hat sich im entgegengesetzten Sinne entwickelt, und die allgemeine Tendenz 
seiner Arbeit ist, die Farbe der Form unterzuordnen: In gewissem Sinne hat 
er sich von der Schule getrennt. 
Hornel ist derjenige Anhänger der Glasgow-Schule, der die Manier der 
Vibristen sich dienstbar gemacht hat. Sein Pinselstrich ist wohl überlegt und 
fesch. Seine in Sonnenlicht gebadeten Bilder werden zu lichten Mosaiken 
und besitzen den unwiderstehlichen Reiz der Fröhlichkeit, obgleich Nergler 
gegen jene sonderbare Art des Impressionismus protestiren mögen, welche 
die Farbe in Tupfen und Blöcke theilt. Renoir, welcher seine Natureindrücke 
in ähnlichen breiten Staccato-Strichen ausdrückt, accentuirt mehr das Spiel 
von Licht und Schatten und besitzt das ganz eigenartige Geschick der franzö- 
sischen Pointillisten, aus Farbenflecken, welche, von der Nähe besehen, 
einen wilden Chaos bilden, die deutlichen Züge herauszubringen. Hornel ver- 
meidet diese Manier, und die Gesichter der Kinder, die er meist in freier 
Natur in seinen Bildern behandelt, sind mit dick übereinandergesetzten 
Farben gemalt, welche schliesslich eine flache, erhöhte Oberfläche bilden 
Er ist der einzige Anhänger der Schule, der seinem Pinsel unbegrenzte 
Freiheit gönnt, und seine Gemälde, obgleich unzweifelhaft geschickt und 
wirkungsvoll, sind zu manirirt, um unbedingt gefallen zu können. Seine 
unverhehlte Vorliebe für kühne, glänzende Farbe steht in krassem Gegen- 
satz zu der Nüchternheit der Tonalität seiner Collegen. 
Die heutigen Maler begünstigen die Abwesenheit des Lichtes, und in 
dieser Hinsicht sind sie mit ihrem Protest gegen die billige, schreiende
	        

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