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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

wärtige Schaffen grosse Anforderungen stellt, so ist es 
mir dennoch im verflossenen Jahre durch besonders 
günstige Umstände gelungen, eine ganz stattliche 
Anzahl sehr wertvoller und seltener Stücke des älteren 
Kunstgewerbes zu erwerben. 
Als Glanzpunkt dieser Erwerbungen ist der auf 
Seite x54 in Abbildung wiedergegebene gothische 
Tisch anzusehen, dessen kurze Beschreibung hier 
folgen möge. 
Der Tisch ist aus Lärchenholz angefertigt, 
076 Meter hoch, seine vorspringende Platte ist 
rog Meter lang und (T92 Meter breit. Die Zarge, wie 
die beiden durch zwei Querbalken verbundenen Stütz- 
bretter sind mit geschnitztem Flachomament 
geschmückt. Jedes der beiden Stützbretter enthält in 
der Innenseite unmittelbar unter der Zarge einen Falz, 
in welchem eine, jetzt fehlende, Schublade hing. 
Ebenso fehlt der Eisenbeschlag, der, wie noch an der 
Innenseite der aufklappbaren Tischplatte und an einem 
Einschnitte der Zarge ersichtlich ist, aus zwei Bändern 
und einem Schlosse bestanden hat. 
Der Tisch wurde in Zuz im Engadin in einem 
Hause, das selbst noch mittelalterliche Spuren aufweist, 
erworben, und die etwas später in einem der Ver- 
bindungsbalken eingeschnittenen Buchstaben C P 
dürften dem Localhistoriker vielleicht zu weiteren 
 
Forschungen Anlass geben. K. Lacher 
., WIEN. ERWERBUNGEN DER KAISER- 
ß LICI-IEN SAMMLUNGEN IM JAHRE xgox. 
standspiegelaus Athen Der Gepiiogenheit früherer Jahre folgend, wird im 
Nachstehenden eine Übersicht derjenigen Zuwendun- 
gen oder Erwerbungen der kaiserlichen Sammlungen gegeben, welche künstlerisches oder 
kunstgewerbliches Interesse bieten. 
Der ÄGYPTISCHEN SAMMLUNG kam im Jahre 190i ansehnlicher Zuwachs 
sowohl durch Ankäufe wie durch Geschenke zu. Unter ersteren zeichnet sich ein trefflich 
erhaltenes, reich bemaltes pylonenförmiges I-Iolzkästchen für Todtenliguren aus, aus der 
Epoche der 20. bis 24. Dynastie. Zu erwähnen ist ferner die Mumienmaske eines jungen 
Mannes aus Oberägypten, römischer Zeit angehörig, das Gegenstück der im Jahre 1900 
erworbenen weiblichen Maske. Höchst wertvolle kleinere Objecte enthält das Legat des 
x8g7 verstorbenen k. und k. Legationsrathes Dr. James Camille Samson, so eine sehr sorg- 
fältig bemalte Grabfigurine aus der Zeit Ramses'IV., versehen mit dem Texte des sechsten 
Capitels des Todtenbuches; eine schöne Bronzeiigur des ägyptischen Heilgottes Imhotep, 
der einen entrollten Papyrus auf seinen Knieen hält; in seinen Augen sind die Reste der 
Silberincrustation erkennbar; eine zweite Bronzestatuette des Horus aus dern alten 
Bubastis, geschmückt mit der rothen Krone von Unterägypten; eine dritte der Nit (Neith) 
aus saitischer Zeit (circa 650 v. Chr.) mit goldenen Augen. Ein ungewöhnlich sorgfältig 
gearbeitetes Object ist ein Ura-Auge aus Gold, von dem die Vorderseite die Sonne, die 
Rückseite den Mond andeutet, mit einer Bordüre von feinstem Flechtwerk. Weitaus das 
prächtigste Stück unter den Erwerbungen des letzten Jahres ist die vom Generaldirector 
Dr. Hugo Müller in Görz gewidmete Mumie aus der 27. Dynastie, die er selbst auf der Nil- 
insel Mahita unweit Assouan ausgraben liess. Sie ist von tadelloser Erhaltung und höchst 
discreter und harmonischer Farbenwirkung.
	        

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