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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 4)

Tomecs, viel Saft und Kraft ein kleineres Bild 
von Zoff; Pippichs Wiener Ansichten imSchnee 
geraten neuestens etwas rosig-süss, als wäre 
sein Schnee eigentlich Zucker. Die ältere Note 
schlagen Simm, Berger, RussJ-IessLMerode und 
andere mit gesteigertem Fleiss an. Sehr erfreu- 
lich ist die jüngere Wiener Plastik. Franz Vogls 
Pilgerchor aus „TannhäuseW ist ein Hoch- 
relief von ganz moderner Anordnung mit singen- 
den Figuren von köstlichem Humor. Charle- 
monts Denkmal des Pfarrers Josef Strauss, der 
die Sparkasse in Ober-Hollabrunn gegründet 
hat, ist ein schlichtes, gemütliches Werk ohne 
Pose mit einem vernünftigen Zug, wie er für 
einen praktischen Volkswirt von anno dazu- 
mal passt. Wolleks „Deutsche Treue" (Bronze) 
ist die sitzende Kolossalligur eines ländlichen 
Mädchens von zutulich-ehrlichem Ausdruck 
und scheint eine parteipolitische Widmung zu 
sein. Zinslers farbige Wachs-Gipsiigur „Auf- 
erstehung" klingerisiert zwar erklecklich, zeigt 
aber doch ein Talent, das grösseren Aufgaben 
gewachsen wäre. In der kleinen Metallplastik 
 
Clernens Frömmel, Wandapplique, 
Kupfer, ausgefihrtvon Alois Schilder 
sieht man Stephan Schwartz mit seinen jüngsten Plaketten (Weltausstellung, Rainer- 
I-Iuldigung) an moderner Frische der Erfindung und Technik rapid zunehmen. Unter 
seinen hochmodernen Schmucksachen gibt es welche, die jede Konkurrenz aushalten; 
 
Nikolaus Stadler, Wanduhr, Kupfer 
geht, 
wand: 
man kann nur wünschen, dass er seinen 
Vorrat an Phantasie und savoir faire recht 
ausgiebig in dieser kleinen Münze ausgebe. 
Die jüngeren Medailleure sind auch nicht 
müssig. Marschall scheint einen starken Vor- 
sprung zu haben; er hat eine Gabe der An- 
mut, die nur etwas gern ins Mikroskopische 
wo dann zum Beispiel die Schrift 
seine schwache Stelle wird. Seine letzten 
Plaketten: der Kaiser, das Jubelpaar Erz- 
herzog Rainer, der Papst, das Goethe-Denk- 
mal u. s. w. haben einen durchgehenden Zug 
von Liebenswürdigkeit. Breithut, Pawlik und 
andere pflegen mehr ein derberes Genre. 
An kleinerer Figurenplastik fallen noch 
Seibs Reiterligur „St. Martin" und Pohls 
weibliche Sitzligur „VerschämtheiW auf. 
Unter den Bildern des französischen 
Saales sind die Pariser Veteranen denn doch 
zu stark vertreten. Lefebvre, Breton, Levy, 
Robert-Fleury u. s. f. sind, was man bei uns 
„Kitsch" nennt. Aus der Weltausstellung hat 
man unter anderem Dubufes, der Kreide- 
periode angehörige, erkältend kalte Lein- 
„Haus der heiligen jungfrau" hie- 
hergesandt; aus dem vorjährigen Salon 
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