MAK

Objekt: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 4)

 
J. ü: L. Lobmeyr, Glasscbale 
J. Oefner, Slatuette, Bronze, aus- 
geführt von Dziedzinski äl-Ianusch 
im unbeeinflussten kindlichen Geiste instinktiv auf- 
tauchen. Überhaupt wird man immer wieder an primi- 
tive Kunstepochen erinnert, so bei den Experimenten 
eine Profilansicht zu erzielen, oder bei der nachträglichen 
Bekleidung von Figuren mit Kleidern, wobei die Figur 
durchscheint. Die Transparenz geht allerdings bis zum 
X-Strahlenhaften, da selbst der Magen eines Menschen 
sichtbar gemacht wird, und ebenso die in der Erde 
steckenden Knollen einer Kartoffelstaude. Farbige Dar- 
stellungen kommen nur bei Kindern von Malern vor, für 
Stimmungen aber ist entschieden auch bei anderen Sinn 
vorhanden. Ein Thema heisst: „Die Sonne lächelt auf 
die Wiese nieder", und eine kleine Berlinerin hat die 
Kaiser Wilhelmskirche im Seitenlicht der Sonne zu zeich- 
nen versucht. Sehr merkwürdig sind die Malereien aus 
Minneapolis, wo die Kinder mit Pinsel und Farben die 
ganze farbige Erscheinung der Blumen, Lampions u. dgl. 
festhalten. Manche dieser Blätter könnten in der Kunst- 
ausstellung hängen. Auf die Beobachtungsgabe, Selbst- 
ständigkeit und Anstelligkeit des kunstübenden Kindes 
werfen diese Blätter ein überraschendes Licht. Nur wo 
die frühere Schule sich einrnischt und das Netzzeichnen 
geübt wird, erstarrt sofort jede eigene Regung und ein 
steifes geometrisches Element tritt an die Stelle der naiven 
Sinnesfunktion. In dieser Hinsicht muss die Ausstellung 
ein für allemal klärend wirken. Sehr erfreulich sind die 
Fortschritte in den Mitteln, durch die das Kind zur Kunst 
erzogen werden soll. Die Seemann'schen Wandtafeln 
machen es mit dem Schönsten der Kunst aller Zeiten 
bekannt, die Teubnefschen Farbenlithographien, die 
Fitzroy Pictures von Geo. Bell (London), die bekannten 
Blätter Henri Rivieres u. s. w. bilden einen künstlerischen 
Wandschmuck für Schule und Haus, wie es nie einen 
gegeben hat. Ihr einfacher Stil, bei dem in Linie und 
Farbe das Wesentliche der Erscheinung haarscharf 
getroffen ist, muss das junge Auge richtig sehen lehren.
	        

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