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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

Stadt (deren Zeichnung mit 
rnurus und turres für mittel- 
alterliche Städtedarstellun- 
gen als typisch bezeichnet 
werden kann) und trägt, in 
ein rosafarbenes Gewand ge- 
hüllt, mit weissem Kopftuch 
angetan, einen irdenen Krug 
auf der Schulter. Die weisse 
Strassenwehr, an der Rebek- 
ka vorbeischreitet, hilft den 
Weg andeuten, den sie der 
Illustrator nehmen lässt. Aus- 
gezeichnet durch Haltung 
und sorgfältige Zeichnung 
ist die links an der Quelle 
ruhende Nymphe. Die ganz 
der Antike entlehnte Gestalt 
fällt durch hellblondes Haar 
und sehr lichteHautfarbe auf. 
Ein dunkelvioletter Mantel 
bedeckt den Unterkörper. 
Eine antike Quellnymphe 
als Illustration einer Szene 
des Bibeltextes - durch V 
kein Detail könnte die Std" Sammlung medizinischer Schriften (cod. 93) 
lung, die hier die schildernde 
Kunst einnimmt, besser charakterisiert werden. Der Meister wendet 
sich aber sofort vom klassischen Altertum zur Bibel und zeigt uns 
Rebekka abermals, wie sie dem Knechte Abrahams zu trinken gibt; auch 
die Kameele harren der Labung. In gleicher Weise wie hier, finden wir 
kontinuierende Darstellung des Bibeltextes mit selbständigen Zugaben 
des Illustrators auch auf dem zweiten Bilde. Die Versuchung des keuschen 
Josef durch die lüsterne Frau Putiphars ist für Erzählung in Bild und in 
Wort, wie männiglich bekannt, einer der beliebtesten Vorwürfe; hier 
sehen wir die älteste bekannte Darstellung des Vorganges. Den Ort der Dar- 
stellung bildet eine halbrunde Säulenhalle: sie symbolisiert das Heim des vor- 
nehmen ägyptischen Staatswürdenträgers. Das begehrliche Weib sitzt auf 
den weissen Kissen eines vergoldeten Bettes und fasst nach dem rosenfarbenen 
Mantel des sich ihr entreissenden Jünglings. In kontinuierender Darstellung 
erscheint der Jüngling rechts, nur mit dem Unterkleide angethan, ausserhalb 
des Rahmens, in dem die Szene sich abgespielt hat. Sein Blick ist ängstlich 
nach rückwärts gerichtet. Schon hierin arbeitet die eigene Vorstellungsweise 
des Künstlers; noch mehr in den übrigen Szenen auf demselben Blatte, die
	        

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