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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

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Die grosse Ähn- 
lichkeit in der künst- 
lerischen Ausstattung, 
die zwischen der eben 
besprochenen Rene- 
Handschrift und einem 
gleichfalls herrlich il- 
lustrierten, Boccaccios 
„Teseide" in französi- 
scher Übersetzung ent- 
haltenden Manuskript 
(cod. 2617) obwaltet, 
ist unverkennbar. 
Schon vom Stand- 
punkt rein ästhetischer 
Würdigungnehmen die 
beidenManuskriptezu- 
sammen eine ganz be- 
sondere Stelle ein. Die 
Leistungen des Mei- 
, b wbbgbhbwbvb  b b b sters, der in der 
Song: du Pastourel (cod. 2556) BoccaccichHandschrift 
die Blätter 14 b, 18 b 
und I9, 39, 53, 64 und 102 malte (MeisterAJ, gehören, wie Chmelarz rühmt, 
mit den Bildern der Reue-Handschrift zu den „schönsten Leistungen der 
Miniaturmalerei aller Zeiten" (Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen, 
XIV, 326), und Durrieu nennt die beiden Bilderhandschriften „Monuments 
hors ligne de la miniature francaise dans ce qu'elle a cree de plus admirable" 
(a. a. O. S. 143). Die jüngsten Forschungen haben sich nun mit Erfolg 
bemüht, die Prachthandschrift der „Teseide" ganz in den künstlerisch und 
literarisch reich bewegten Kreis, dessen Mittelpunkt Rene bildete, zu rücken. 
Der Stoff der von Boccaccio etwa 1341 nach dem Vorbilde der „Aeneis" 
Vergils und der „Thebais" des Statius verfassten „Teseide", die Fiammetta dem 
Dichter wieder geneigt machen sollte: der Kampf des Theseus mit den männer- 
feindlichen Amazonen; seine Heirat mit I-Iippolyta; die Liebe der gefangenen 
thebanischen jünglinge Palemone und Arcita zu Emilia, Hippolytas schöner 
Schwester; ihr Zweikampf um die Geliebte, der durch Emiliens und des 
Theseus Eingreifen unterbrochen wird; das Turnier der berühmtesten Helden 
Griechenlands im Theater, wobei Emiliens Besitz den Siegespreis bildet; 
der Tod des Siegers Arcita, der sterbend Theseus bittet, Emilia dem Neben- 
buhler zu geben - dieser Stoff fand dort fruchtreichen Boden. Dass Renes 
sinnige Gemütsart und dichterische Anlage für einen solchen Roman 
empfänglich war, steht ausser allem Zweifel. Hierzu kommt, dass der 
bedeutendste französische Prosaiker des XV. Jahrhunderts, Antoine de la 
 
	        

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