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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

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dem Trog, wobei nament- 
lich eines der Tiere seine 
Freude gar nicht zügeln 
kann; hinter den Schweinen 
suchen Hühner nach Futter 
- kurz, wir haben das rich- 
tige Genrebild vor uns. 
Man darf nun nicht ver- 
gessen, dass eben jene Idylle 
nichts anderes ist, als eine 
historisch genau zu ver- 
folgendeFortentwicklungder 
uralten Vorstellung, dass 
man gerade im Wintermonat 
Schweine schlachten 
müsse; wie denn die bezüg- 
lichen Darstellungen schon 
in altehrwürdigen Manu- 
skripten,freilichhierinhöchst 
primitiver Art, so zum Bei- 
spiel in einem Salisburgensis 
des 9.]ahrhunderts (j etztHof- 
bibl. cod. 387) zu sehen sind. 
Im Hintergrund sieht 
man links den gut ange- 
deuteten Flurweg mit einem 
vereinzelt stehenden Häus- V _ 
chen, eine Veste und die am  _ „Ü, - n; 
Horizont verschwimmenden Gebetbuch (cod. 2730], Kalenderbild 
Hügel. 
Die grösseren Bilder der Handschrift - wir bieten vier derselben, 
die sämtlich dem Meister A, also Horebout, zugesprochen werden - 
weisen jene Merkmale auf, welche zur Identifizierung unseres Meisters 
mit dem des Breviarium Grimani führten. „Die gleichmässige Zeichnung 
und Farbe in beiden Handschriften" bemerkt Chmelarz „erklärt sich über- 
haupt zum grossen Teile aus dem Charakter der Schule Memlings, aus 
welcher Horebout hervorging, mit allen Vorzügen und Schwächen: 
ihrer Naturbeobachtung, bunten Farbenfreudigkeit, den liebenswürdigen 
Köpfchen auf kurzen Figuren mit etwas ungeschickter Stellung der Füsse und 
besonders eigentümlichem Verbeugen bei manchen Gestalten . . . Das 
starke Betonen der brüchigen Faltengebung durch gerade kräftige Pinsel- 
striche findet sich auf den meisten Bildern des einen und des andern Codex 
wieder, und ebenso ist auf beiden Seiten die Schönheit der landschaftlichen 
Hintergründe mit trefllicher Luftperspektive, der Liebreiz der Frauen, wie 
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