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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

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Österreichische Ausstellung in London, Buffetsaal 
In all den zahlreichen Kundgebungen, die bei diesem festlichen Anlasse in Reden, Adressen 
und Festschriften zum Ausdrucke kamen, wurde mit einmütiger warmer Begeisterung und 
Dankbarkeit die rühmliche Stellung anerkannt, welche das Germanische Museum sich in 
diesen fünfzig Jahren errungen hat als Hort nationaler Überlieferungen, als Piiegestätte für 
die Erforschung der Geistesgeschichte des deutschen Volkes in allen Formen und Äusse- 
rungen seiner Kultur und Kunst. Wurde mit Recht in diesem so herrlich und grossartig 
entwickelten Institute die geniale Schöpfung des mutigen fränkischen Edelmannes Frei- 
herrn von Aufsess gefeiert und voll Anerkennung des ja auch uns Österreichern so teueren 
Essenwein, des eigentlichen Organisators des Museums, gedacht, so ist man doch einig 
darin gewesen und wird es bleiben, dass das Germanische Museum, wie nicht bald eine 
andere Institution, aus dem Empßnden des Volkes selbst hervorgegangen ist. Es ist so recht 
das Produkt jener romantischen, auf die Erweckung der grossen deutschen Vorzeit gerich- 
teten Stimmung, welche aus Gegnerschaft gegen die Schrecknisse und Verheerungen des 
napoleonischen Zäsarismus, aber auch gegen die weltabgewandte unvolkstümliche Richtung 
des Klassizismus und gegen die Überlieferungen desAufklärungszeitalters sich beiKünstlern, 
Literaten, Gelehrten, schliesslich in allen Schichten der gebildeten Deutschen zu Anfang 
des vorigen Jahrhunderts entwickelt hatte. Die Tieck und Wackenroder, Achim von Arnim 
und Brentano, Hölderlin, Hardenberg-Novalis und Uhland, die Grimm und Schlegel, die 
Freiherrn von Stein, Justus Möser und Wilhelm von Humboldt sind die geistigen Ahnen 
dieser Schöpfung. Und auch Goethe, der Klassizist und Gegner der Romantik, hat ihr 
vorgearbeitet; wie die deutsche Philologie, so ist auch die Kunstgeschichte eine Frucht 
jener romantischen Strömung und doch immer auf Goethe geht zurück, als den Vater der 
Kunstgeschichte als Wissenschaft, was die Romantik auf diesem Gebiete geleistet hat. Man 
denke an seine Erkenntnis der Grösse Dürers und mit welcher Begeisterung er sich der 
Würdigung der Boisseredschen Sammlung hingegeben. Was nationale Begeisterung
	        

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