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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

Wir verdanken ihm aber die Zuweisung der Bilder an Clovio, die 
als absolut sicher gelten darf, und ebenso wird man ihm beiptlichten 
können, wenn er die wunderbare Weichheit und Zartheit der Figuren, 
deren graziöse Motive und warm bräunlichen, zart verschmelzenden Ton 
hervorhebt und an den Arabesken der Ränder „seltenste Schönheit und 
Eleganz" rühmt. 
Die Erklärung des ersten Blattes, die ihm nicht ganz gelang, hat davon 
auszugehen, dass wir hier vollständig auf dem Boden der Allegorie stehen. 
Das entspricht schon dem Titel des Werkes selbst. 
„Impresa" bedeutet zunächst „Unternehmung", dann auch „Emblemä 
Der kaiserliche Adler ist, wie aus dem Text hervorgeht, dem Aar Jupiters zu 
vergleichen, ja „Carlo auanza Gioue - Che l'Aquila per lui fa maggior 
proue" (fol. 5b). Hält man nun die Andeutung, die gleich die erste Stanze 
bietet, hinzu: Ich, der Adler, habe viele ungewöhnliche und überraschende 
Dinge geleistet und die letzten Beweise meiner virtü gegeben 
Sol per costei che qui meco si vede, 
so entsteht die Frage nach der Bedeutung des weiblichen Wesens, über 
welches der Adler seine Fänge breitet („costei"), wobei zu bemerken ist, 
dass der brennende Scheiterhaufen mit dem darüber schwebenden Aar 
in der Sprache der „I-Iieroglyphen" die Apotheose bedeutet?" 
Der Adler nun ist in reiner, keuscher Liebe zu einer „uergine saggia, 
honesta e bella" entbrannt (fol. 3a); er selbst sagt: „o uiuo, o casto, o nuouo 
amore - Che fai la morte . . . Parer soaue" (fol. II b). Karl hinwieder gleicht 
dem Adler: 
Come e sembiante Carlo a1 grande augello, 
Di Carlo augel, per fede et per amore (fol.14). 
Wird schon hierdurch die Vermutung nahegelegt, dass die „uergine" 
wohl den katholischen Glauben bedeute, so erhält sie eine weitere Stütze durch 
die in der eben zitierten Stanze enthaltenen Verse: 
Et Carlo fido, et d'heresia rubello 
Va nel foco per Christo a tutte l'hore 
Gloriati augello hormai, che sei sembiante 
Di Carlo ch'e di fede il grande Atlante. 
Vom Adler heisst es in der nächstfolgenden Stanze: 
Sol l'era grata Punica Donzella 
Et sol fea del suo amor pudico acquisto 
Come il gran Carlo fa di quel di Christo 
und schon früher (fol. 12): 
Quando Pardente iiamma circondaua 
Questo d'alta pietate Augello acceso 
NelPalto incendio si gioioso staua . . . . 
l Vgl. Valerianus, joannes Pierius: Hieroglyphica, Lib. XIX; De Aquila. (In der mir vorliegenden 
Ausgabe: Lugduni 1586, S. 1779".)
	        

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