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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

 
Byam Shaw, „Wohin ?" 
Die Gründer der Brüderschaft, deren einer _ Rossetti - ein Schüler 
Browns war, folgten seinerLeitung,warenaber auch direktvonden italienischen 
Quattrocentisten beeinflusst. Es ist allgemein bekannt, dass das Studium von 
Benozzo Gozzolis Freskomalereien am Campo Santo zu Pisa ihnen die erste 
Anregung gab. Sie waren Realisten insofern, als ihre Werke auf genauem 
Naturstudium basierten. Die Schwäche ihrer Theorien bestand in der Ver- 
nachlässigung der Gesamtwirkung durch übergrosse Rücksichtnahme auf 
Detail. Sie malten die Gegenstände, wie sie sind, und nicht, wie sie erscheinen. 
Ein Gesicht, von dem Laubwerk eines Baumes beschattet, blieb bei ihnen 
immer fleischfarben, als 0b die grünen Reflexe nicht existierten. Aus diesem 
Fehler mag man vielleicht die dekorativen Vorzüge der Werke dieser Maler- 
gruppe ableiten. Bei Abwesenheit jener atmosphärischen Effekte, welche 
die Kontraste der einander gegenüberstehenden Lokalfarben mildern, 
musste der Maler aus eigener Kraft Farben- und Linienharmonien schöpfen, 
welche in das Gebiet dekorativer Malerei fallen. 
Mit Millais" Apostasie und Rossettis Tausch der Feder für den 
Pinsel verlor die Bewegung für einige Zeit ihre Bedeutung, obgleich 
Holman Hunt unbeirrt auf der eingeschlagenen Bahn fortfuhr. Von den 
Epigonen der Präraphaeliten ist nur Burne-Jones zu Weltruhm gelangt, 
doch hat, bei all dem ästhetischen Reize seiner Werke, die Bewegung bei 
ihm ihre ursprüngliche Kraft verloren. Seine Farbe ist gesucht und bewegt 
sich in einer Moll-Skala; die Gestalten seiner Bilder sind zwar graziös, aber 
blutlos und verweichlicht. Seine Werke haben stets viel dekorative Schönheit, 
leiden aber durch Mangel an Ursprünglichkeit. Die ersten Präraphaeliten 
lernten direkt von den Quattrocentisten; Burne-Jones lernte von ihnen auf
	        

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