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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

Menge, nicht in der 
Güte fremder In- 
spirationen ihr Heil 
suchten; der verzeih- 
liche Ehrgeiz der 
Talentierteren, mit 
einem Schlage den 
ganzen Reichtum 
ihrer Phantasie zu ent- 
hüllen; das unkluge 
Bestreben mancher 
Fabrikanten, in ge- 
drängtestem Rahmen 
die Vielseitigkeit 
ihrertechnischenLei- 
stungsfahigkeit vor- 
zuführen oder, gegen 
den Willen des ent- 
werfenden Künstlers, 
vermeintlich allzu 
bescheiden wirkende 
Innenräume durchbe- 
sondere Knalleffekte 
aus dem allgemeinen 
Farben- und Formen- 
babel der Umgebung hervorzuheben: mit einem Worte die Ungewohntheit 
des neuen Weges mit all ihren begreiflichen Verirrungen hat es mit sich 
gebracht, dass ein guter Teil der vielen in der italienischen Sektion aus- 
gestellten reicheren Interieurs an jene lustig übertreibenden Darstellungen 
„sezessionistischew Wohnräume gemahnt, in denen die „Fliegenden 
Blätter" die Exuberanzen der jungen modernen Bewegung Deutschlands 
mit heilsamem Spotte geisselten. Das typischeste Beispiel hiefür ist die 
kleine Villa, die der Turiner Tapezierer A. Lauro in Kollaboration mit zahl- 
reichen anderen Firmen inmitten des Ausstellungsparkes aufgeführt und 
eingerichtet hat. Angefangen vom Grundriss (der den Bewohner zwingt, 
seine Besucher an dem eventuell noch nicht abgeräumten oder gerade zu 
deckenden Speisetisch vorbei in den Salon zu führen) bis zu den kleinsten 
Details der äusseren und inneren Ausstattung widerstreitet diese in jedem 
Nagelkopf modern vermeinte Villa allem, was sich eine gereifte Moderne 
zum Ziel setzt: ein beispielloses Farben- und Formendurcheinander ver- 
scheucht jegliche Sammlung und Stimmung; das Holzwerk wetteifert in 
gequälten Verschnörkelungen mit allen erdenklichen tapeziererischen 
Spielereien; geschnitzt, gemalt, gewebt, gestickt ist ein ganzes Herbarium 
über dieses Häuschen gestreut, reichhaltig genug, eine massvollere, 
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Ausstellung in Turin, Wandappllque, Kupfer, von 
Alexander Fisher, London
	        

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