MAK

Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

der Kunstentwicklung vertragen sich nicht mit modernen Stilprinzipien. 
Dagegen gebührt den koloristischen Effekten, die im Speisezimmer durch 
farbenglühende Glasmalereien und den schönen Ton des naturfarbenen, un- 
polierten Mahagoniholzes erzielt werden, der feinen Zusammenstellung von 
weissem Ahornholz und gelblicher mit Teerosen prachtvoll bestickter 
Seidenstoffe im Schlafzimmer alles Lob. In ersterem Raume fällt überdies die 
vorzügliche Kupferampel, in letzterem eine neue, interessante Technik 
auf: die Rosenblüten, die sich vom weissen Holzwerk abheben, sind in der 
Weise aus übereinandergegossenen Glasschichten gebildet, dass verschieden- 
färbige, reliefierte, opake Glasflüsse nach aussenhin von einer ebenen, trans- 
luciden Schichte abgeschlossen werden; dadurch wird starke Reliefwirkung 
mit zweckmässiger Glätte der Oberfläche und der Möglichkeit, relietierten 
Dekor mit der zu schmückenden Fläche in eine Ebene zu bringen, glücklich 
verbunden. 
Auch im Hohlglase zeigen Salviati, Jesurum 8: Co., im Gegensatze zu 
den abgedroschenen, fabriksmässigen Formen F. Costantinis, erfreuliche 
Ansätze zur Verschmelzung muranesischer Tradition und moderner Ideen. 
Der hübschen Versuche zur Moderngestaltung des Mosaikschmuckes habe ich 
bereits Erwähnung getan. In der Steinplastik und im Schmiedeisen vereinigt 
Mainella gleichfalls geschickt moderne Gedanken mit altheimisch überlieferten 
Forrnelementen und charakteristischen lokalen Omamentmotiven, wie die an 
die Spätgotik erinnernden und dennoch modern empfundenen Marmor- 
brunnen und -Piedestale und ein reizendes aus Gondelschnäbeln, Fischen 
und Wellenlinien gebildetes Gitter beweisen. Dasbeste aber in der Ausstellung 
von Salviati, Jesurum 8: C0. sind die in ihren prächtigen Farbenzusammen- 
Stellungen und ihren vorzüglichen modernen Dessins gleich gelungenen 
Sammetbrokate und vor allem die leider nur spärlich vertretenen modern 
gemusterten Nähspitzen. 
Konzentriert sich das kunstindustrielle Leben Venedigs in einem grossen 
kommerziellen Unternehmen, so gründet sich die künftige Entwicklung des 
Kunsthandwerks Bolognas und der Emilia auf den künstlerische und humanitär- 
volkswirtschaftliche Ziele verfolgenden Verein „Aemilia Ars". Die Beteiligung 
der „Aemilia Ars" an der Turiner Ausstellung ist eine sehr umfangreiche 
und umfasst nahezu alle Zweige des Kunsthandwerks. Dem Charakter des 
Vereines entsprechend, tragen seine Vorführungen vielfach den Stempel von 
Schülerarbeiten. Aber in allem merkt man einen schönen Ernst. Begnügt man 
sich im Möbel auch noch vielfach mit dem einfachen Verfahren, allzu kon- 
ventionelle Formen etwa durch intarsiierte Friese von gefällig stilisierten 
Pflanzenornamenten zu modernisieren, und knüpft man in der Juwelierkunst in 
nicht allzu glücklicher Weise an die hartenFormen langobardischenSchmuckes 
an, so erzielt man im Schmiedeisen, in der Steinbildhauerei und in der 
Lederarbeit manche recht hübsche Ergebnisse. Das beste wird in modern 
dessinierter Weisstickerei geleistet, die, durch wohltätige Bologneser Damen 
in der ganzen emilianischen Region propagiert, heute schon von vierhundert
	        

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