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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

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Byam Shaw, Aus Rossenis "The Blessed Damozel" („Kreisartig sitzen sie . . . " 
da ihm die Tiere zu grosse Schwierigkeiten bereiten - einen leeren 
Stall malt. 
Es ist im allgemeinen nicht ratsam, die Persönlichkeit eines Künstlers 
bei der Kritik seines Werkes in Betracht zu ziehen. Sein Werk soll für sich 
selbst sprechen; höchstens kann man seine Schulung und künstlerische 
Abstammung berücksichtigen. Bei Byam Shaw jedoch genügt eine rein 
objektive Prüfung seines Werkes nicht zu dessen Erklärung. Ein Einblick 
in seinen persönlichen Charakter, seine Erziehung, seine Abstammung ist 
zum Verständnis desselben unerlässlich. 
Byam Shaw ist ein Sohn schottischer Eltern von presbyterianischem 
Stamm und hat in Indien das Licht der Welt erblickt. Aus diesen drei Tat- 
sachen erklären sich alle seine Eigentümlichkeiten. Als typischer Schotte ist 
er hartnäckig, eigensinnig, unermüdlich, und von dem ihm vorschwebenden 
Ziele nicht abzuwenden. Mit grossem zeichnerischen Talente von frühester 
Jugend begabt, machte ihm die Farbe, das Malen im strengen Sinne die 
grössten Schwierigkeiten. In der St. John's Wood-Kunstschule, wo er den 
ersten Unterricht erhielt, hatte er keinerlei Erfolg zu verzeichnen. Sein erster 
Versuch zur Aufnahme in der Akademieschule schlug aus demselben Grunde 
fehl; aber seine schottische Hartnäckigkeit überwand alle Schwierigkeiten, und 
heute nimmt er als Maler eine leitende, wenn auch nicht unangefochtene 
Stellung ein. Der Kampf muss um so härter gewesen sein, da bei ihm alles 
künstlerische Können auf Studium und nicht auf Instinkt beruht. Von jeher 
waren die schottischen Presbyterianer jeder Kunstmanifestation feindlich und 
die ihm im Eltemhause zuteilgewordene Erziehung war mehr auf strikte 
Frömmigkeit, als auf Entwicklung seines Talents gerichtet. Daher bei vielen 
seiner Bilder die ausgesprochen religiöse Tendenz, welche in Verbindung mit
	        

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