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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

einem gewissen ultramodernen 
Zynismus manchmal sonderbar 
paradox erscheint. In seiner Aus- 
legung der Sprüche des „Predi- 
gers Salomo", welche vor kur- 
zem in einer Separatausstellung 
in der Dowdeswell-Galerie in 
Bond Street zu sehen waren, 
zeigt er seine sonderbare und 
höchst interessante Auffassung 
biblischer Sujets. Unter seinen 
älteren Bildern ist ein sehr 
populär gewordenesWerk, „Chri- 
stus der Tröster", zu erwähnen. 
Die gewöhnliche Behandlung 
eines derartigen Motivs zeigt 
den Heiland als Trostspender in 
der Hütte des Armen. Nicht so 
bei Byam Shaw. Bei ihm sitzt die 
lichtumgossene Erscheinung an 
der Seite eines typischen, offen- 
bar in Luxus lebenden jungen 
englischen Squire, der, in Reit- 
hosen und Gamaschen, an dem 
Bette seiner sterbenden oder 
toten Frau sitzt. 
Um nun auf des Künstlers 
frühe Eindrücke zurückzukom- 
men: er brachte seine ersten Le- 
bensjahre unter der glühenden 
Sonne Indiens zu, und obgleich 
er schon im Alter von fünf Jahren 
von seinen Eltern nach England 
gebracht wurde, liess doch die 
tropische F arbenglut einen unverwischbaren Eindruck bei ihm zurück. auf 
welchen man wohl seine Vorliebe für reine, primäre Farben zurückführen 
kann. Von dem Kolorit der Byam Shaw'schen Bilder allgemein zu sprechen 
ist schwer, da dasselbe zwischen schöner dekorativer Wirkung und brutaler 
Geschmacklosigkeit schwankt. Und zwar ist letztere, so paradox es auch 
klingen mag, eine bewusste und genau berechnete Geschmacklosigkeit, für 
welche man nur in der Persönlichkeit des Künstlers eine Erklärung finden 
kann. Jugendlicher Übermut, Verachtung der Kritik, Sensationslust und ein 
gewisses boshaftes Vergnügen, Anstoss zu erregen, waren die Triebfedern, 
welche den sehr jungen Künstler zu derartigen malerischen Unarten 
Byam Shaw, „Miss Pyke-Nott", Porträt
	        

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