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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

ganz deutlich, dass Gott 
mit zwei Gesichtern, 
einem älteren, lang- 
bärtigen und einem jün- 
geren dargestellt wird, 
und dass auf der Schul- 
ter der doppelköptigen 
Gestalt eine Taube sitzt; 
genau dieselbe Darstel- 
lung Endet man nun in 
der erwähnten Vatika- 
nischen Handschrift, 
wovon man sich durch 
die von Beissel gebotene 
Nachbildung überzeu- 
gen kann. 
Es ist nicht belang- 
los, hervorzuheben, dass 
auch in dem neapolitani- 
schen Gebetbuch der 
Hofbibliothek bei der 
Darstellung der T rinität 
ein eigenartiges Spiel 
mit der den heiligen 
Geist syrnbolisierenden 
Taube getrieben wird 
- sie erscheint dort 
(Fol. 2o7b) ganz klein, 
nur bei genauester Be- 
obachtung erkennbar, 
auf dem Kreuzesholze 
Dantes Commedia (cod. 260a) 
iiatternd, und zwar noch im Nimbus von Gott Vater - denn auch die 
Vatikanische Bibelhandschrift weist nach Neapel: sie ist „per manus dompni 
Georgii sacerdotis de Neapoli" geschrieben, und die Vermutung, dass auch 
die Wiener Bilderbibel in Neapel entstanden sei, erhält durch diesen Ver- 
gleich eine Stützeß 
In erster Linie sprechen für die neapolitanische Provenienz stilistische 
Kriterien; es ist eine anerkannte Tatsache, dass die neapolitanische Malerei 
von der Mitte bis zum Ende des Trecento sich in zwei Hauptrichtungen 
scheidet, d. h. teils unter dem Einiiuss Giottos, teils unter dem Simone di 
Martinos steht: und so finden wir denn auch in diesem Miniaturenwerk, 
' Der nufFoL456b unserer Handschrift erscheinende Schreibervennerk: „Qui scripsit scribat, semper cum 
domino vivat, Vival in celis Johannes nomine felix" gibt keinen Anhalt für die Provenienzbestimmung. 
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