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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

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Kulturvölker vertraut ist, 
lebendig vor das Augef Die 
antike Sage ist, wie gerade 
unser Kodex lehrt, auf ita- 
lienischem Boden nicht erst 
durchdieI-Iumanistenwieder- 
gewonnen worden. Die Re- 
naissance hat hier nur eine 
Bewegung verstärkt, die be- 
reits vor ihr wirksam war. 
Wie der klassische Phi- 
lologe den durch Homer in- 
spirierten Schöpfungen der 
Kunst bei der Interpretation 
mit Recht breiten Raum ge- 
stattet, so wird auch der 
Romanist die durch Benoits 
Roman angeregten Bildwer- 
ke nur mit Schaden vernach- 
lässigen, wenn er dessen 
Bedeutung für das geistige 
Leben des Mittelalters von 
der höchsten Warte aus 
würdigen will. Wie weit 
diese Bedeutung reichte, da- 
für spreche hier nur ein 
Beispiel für viele. In einem 
gehaltvollen Aufsatz über die 
Werkstatt der Embriachi zu 
Venedig (Jahrbuch XX, 
220 ff.) hat Julius v. Schlos- 
ser dargelegt, dass ein Teil 
der von Mitgliedern jener 
berühmten Plastikerfamilie im XIV., besonders im XV. Jahrhundert her- 
gestellten Skulpturen an Bein-Cofanetti, und zwar die Reliefs mit Dar- 
stellungen aus der Geschichte jasons und der Argonauten, auf Benoits 
„Roman de Troie" als Stoffquelle zurückgehen, und dass „den einzelnen 
Motiven sichtbar eine gemeinsame Vorlage der Werkstatt zugrunde 
liegt" (a. a. O., S. 261). Man darf wohl annehmen, dass diese Vorlage eine 
illustrierte Handschrift des Romans gewesen sei; wissen wir doch jetzt, dass 
die Genesismosaiken von San Marco auf Darstellungen der Cottonbibel 
Petrarcas Trionfi (cod. 264g) 
" Einige dieses Thema betreüende Spezinluntersuchungen sind verzeichnet von Ottino, G. und Fuma- 
galli G.: „Bibliotheca bibliognphica italica", Roma. 1889. S. 238, 3x5, 34x, 34g, und Bau, Louis P,; „L; Linf. 
rature comparäe", Strasbaurg, 1900, S. 55 K. 
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