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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

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Brera (Carta, a. a. 0., Tafel V) ein 
Drache mit geschmackvoller Oma- 
mentik, die an heraldischen Zierat 
erinnert, hinzugekommen, sowie 
die drei Augen mit dem Zirkel; 
das ganz selbständig rechts in der 
Ecke prangende Bildnis (dante 
alagerii) ist spätere Zutat. 
So verständlich auf dem In- 
fernobilde der Angriff des Drachen 
auf die in der eben angedeuteten 
Art symbolisierte göttliche Schöp- 
fung ist, so scheint dieses Motiv in 
den Dante-Handschriften, soweit 
ich sehe, nicht eben häufig zu sein. 
Den Zirkel finden wir in der Hand 
desSchöpfers auf derersten grossen 
Miniatur der mehrfach erwähnten 
Bible historiee (cod. 2554). Auf- 
merksamkeit verdient das bis jetzt 
noch ganz unbekannte Dante-Bild- 
nis; es stellt den Dichter etwa im 
Alter von 40 Jahren dar; der deut- 
liche Bartanfiug erinnert an die 
Stelle in Boccaccios „Vita di Dan- 
te", wo er von dessen „cappelli e barba spessi" spricht. Der ernste, scharfe, 
durchgeistigte Blick des Denkers und Dichters ist gut zum Ausdruck 
gebracht, und das charakteristische, uns durch zahllose Bildnisse Dantes 
geläufige Profil_ des grossen Florentiners ist in dieser schwach mit Carmin 
lavierten Federzeichnung bereits zu finden. 
Weit geringere Individualisierung zeigt das Bild Petrarcas in der 
Handschrift der Trionfi des Dichters (cod. 2649), wie ja im allgemeinen die 
figürlichen Darstellungen dieser sonst reich und mit prächtigen Ornamenten 
ausgestatteten Handschrift sich nicht über das Durchschnittsmass erheben. 
In diesem Sinne ist die Kontroverse über den künstlerischen Wert der 
Miniaturen sowohl der Wiener, wie auch der mit ihr aufs engste ver- 
wandten Dresdener Trionfi-Handschrift (königl. öffentliche Bibliothek, O 26) zu 
entscheiden?" 
Beide Handschriften stammen von demselben Kalligraphen. Jacobus 
Veronensis, der sich am Schluss des Textes in beiden Exemplaren nennt; die 
Gebetbuch (cod. 198i) 
 
" Frimmel Th., „Beiträge zu einer lkonographie des Todes", Wien, 189:, urteilt (S. 49), sie sei fast ebenso 
prächtig, wie du schöne Exemplar der Trionfx in der Pariser Nationalbibliothek  ital. 548); dagegen Essling- 
Müntz, Pätnrqu: x63: „Dans toule Pillustration pätrarquesque. il n'est rien d: plus intime que ces miniatures de 
Vienne et d: Drzsdz." 
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