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Objekt: Heinrich Freiherr von Ferstel

Im Erdgeschoss, unter dem Festsaale und in gleicher Flächenausdehnung mit 
letzterem, liegt das geräumige Vestibüle, das einige Stufen über dem Strassenniveau 
gelegen ist. Hinter demselben, das Licht vom Hofe empfangend, liegt die symmetrisch 
zur Hauptachse angeordnete Haupttreppe, welche nur zu den im ersten Stock liegen 
den Festräumlichkeiten hinaufführt. Die Communication mit den übrigen Stockwerken 
vermitteln zwei dreiarmige Treppenhäuser, die links und rechts von der Haupttreppe 
in den Hofecken gelegen sind. Der Hof zeigt auf kräftigen Rundbogen im Erd 
geschoss reichgegliederte zweigetheilte Rundbogenfenster im ersten, und ebensolche 
zierlich gehaltene dreifach gekuppelte im zweiten Stockwerk. 
In der Mittelachse der Hauptfa^ade an der hinteren Seite des Hofes, dem Lärm 
der Strasse entrückt, liegt der halbkreisförmig angeordnete Sitzungssaal. Er ist 
von einer Gallerie umgeben, welche sich mit einer Säulenstellung und Rundbogen 
gegen den Saalbau öffnet und durch rückwärts der Halbkreisform des Grundrisses 
angeschmiegte Treppen zugänglich ist. Die Beleuchtung dieses Saales wird zunächst 
durch ein Oberlicht erzielt, ferner durch drei dreifach gekuppelte Fenster im zweiten 
Stock gegen die Hofseite. 
Zur Zeit, als Ferstel den Bau der Votivkirche bereits vollendet hatte, wurde 
im Jahre 1879 von der Gesellschaft des österreichisch-ungarischen Lloyd in Triest 
der Bau eines neuen Administrationsgebäudes beschlossen und für die Erlangung ge 
eigneter Entwürfe eine beschränkte Concurrenz ausgeschrieben, aus welcher Ferstel 
als Sieger hervorging. Im Frühjahr 1880 wurde ihm die Durchführung des Baues 
übertragen. Die Lage des Bauplatzes ist eine vortreffliche. Das Gebäude erhebt 
sich, vom Wasser nur durch die Strassenbreite der Riva del molo S. Carlo getrennt, 
in mächtiger Front vor dem Hafen und der offenen See, in der Richtung nach Westen. 
Die um die Ecke liegende Nordfront ist nach dem grossen freien Platze, Piazza grande, 
gerichtet, ebenso weithin sichtbar und, weil der Stadt zugekehrt, die Hauptfront des 
Gebäudes bildend. Die Südfront ist gegen die Sanitä, die Ostfront gegen die Via del 
orologio gerichtet. 
Wenn so prächtige Situation dem entwerfenden Architekten Freude und Sporn 
sein konnte, so musste dem ausführenden Architekten diese Freude durch die Sorge 
etwas beeinträchtigt werden, welche ihm die sichere Fundirung dieses Baues bereiten 
musste angesichts des schlammigen, noch nicht lange dem Meere abgerungenen Bau 
grundes, in welchem eingerammte Piloten der grössten Länge keinen festen Stand zu 
finden vermochten. Glücklicherweise waren dies für Triest keine ungewohnten Ver 
hältnisse und es standen Erfahrung und geeignete Materialien zur Ueberwindung der 
hierin gebotenen Schwierigkeiten zur Verfügung. 
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