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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

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und Fontaine, die 
Hauptvertreter des 
Stiles, hatten den 
Nagel auf den Kopf 
getroffen, wenn sie 
ganz ernst erklären, 
sie hielten sich an die 
Antike nicht als Mode, 
sondern weil diese 
am meisten derNatur, 
der Vernunft ent- 
spräche. Es ist ein 
Nachhall des Winkel- 
mann'schen Wortes 
von der edlen Einfalt 
und stillen Grösse 
der Antike, das man 
in Stein, vor allem 
aber in Holz und Putz 
umzusetzen hoffte. 
Deshalb muss 
man auch nicht Peter 
von Nobiles an Vitruv 
und Vignola gross- 
gezogene Bauten, wie 
etwa sein Burgtor, 
überhaupt nicht Fest- 
und M0numental- 
architekturen wie die 
noch zum Louis XVI- 
Stil hinüber neigende 
Gloriette von I-Ietzendorf von Hohenberg, die Kirche des Malteser Ordens 
(1808) in der Kärntnerstrasse oder die Technische Hochschule Schemerls 
betrachten, sondern die unbemerkten anspruchslosen Bürgerhäuser jener 
Tage, um wirklich einen bescheidenen Abglanz der natürlichen Vernunft 
und edlen Einfalt zu finden. Da entsprachen sich Bemühung und Gelingen, 
Zweck und Erfolg viel besser. Dem durch die langen Kriege verarmten, von 
der Überlieferung losgerissenen, zu nüchterner Einsicht und Selbstzucht 
gekommenen Volke jener ersten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts 
entsprach nichts besser als diese phantasielose, prunklose und doch noch 
immer stolze Kunstrichtung. 
Man vergleiche die nebenstehenden Abbildungen. Die Schmuckelemente 
durchwegs auf das bescheidenste Mass beschränkt, selten auf Täuschung, 
nie auf falsche Pracht berechnet, geben diese Architekturen die Anspruchs- 
Grabdenkrnal auf dem Döblinger Friedhofe
	        

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