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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

Descnranxung ZelgT 
sich ja der Meister - 
ihre Betätigung war 
vielleicht der letzte 
Rest des altüber- 
lieferten köstlichen 
Kunstvermögens 
besserer Zeiten. 
Allerdings wird 
man, um gerecht zu 
sein, nicht leugnen 
dürfen, dass man sich 
damals durch die 
geringere Zahl der 
Stockwerke in be- 
deutendem Vorteil 
befand gegenüber 
unseren immer ame- 
rikanischer werden- 
den Wohnhäusern. 
Selten hatte der Ar- 
chitekt der Kaiserzeit 
und des Biedermeier- 
stiles höher als zwei 
Geschosse über dem 
ebenerdigen zubauen. 
Um dem zweiten 
Stockwerke Leichtig- 
keit zu verleihen, ge- 
nügte es also, dessen 
Fenster niedriger zu halten als die des ersten. Dem niedrigen Hause stand ein 
verhältnismässig hohes Dach wohlan, welches damals zum Gesamteindruck 
durch sein ruhig lagerndes Gewicht noch wesentlich beizutragen vermochte, 
während heute die Dächer kaum mehr zu sehen sind oder mit allerleizweck- 
losen und kostspieligen Ausbauten verziert werden müssen, um der überladenen 
Stirnmauer ein Gegengewicht zu bieten. Die Eintönigkeit des Daches zu mildern 
und dem Mittelbau mehr Ansehen zu geben, rafft sich der Kaiserstil dann 
gelegentlich selbst an Wohnhäusern zum stolzen Giebel auf, dessen Fläche 
ebenfalls mit Skulpturen gefüllt wird. Architektur und Farbensinn treten zu 
Gunsten der Bildhauerei, der Lieblingskunst jener Tage, gerne völlig zurück 
- auch ein Zeichen der Zeit. Selbst die Wahl des Vorwurfes: die Adler 
und Blumengewinde, die Vasen, antiken Köpfe und musikalischen Trophäen 
und namentlich die Vorliebefür Kindergestalten, wie sie damals in ihrem ganzen 
Grabdenkmal auf dem Schrnelzer Friedhofe
	        

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