MAK

Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

Zeiten waren und 
sind so sehr darauf 
bedacht, alles Geld 
auf die Vorderseite zu 
verschwenden, dass 
der I-Iinteransicht 
meist nur die nackte 
Armut übrig bleibt 
und sie damit eine 
gelinde Ähnlichkeit 
zur bekannten mittel- 
alterlichen Darstel- 
lung der Frau Welt 
gewinnt. 
Die Eingangs- 
pforte bleibt freilich 
in ihrer Umrahmung 
auch zur Kaiserzeit 
immernoch das archi- 
tektonische und pla- 
stische Hauptstück. 
Deshalb gibt es 
auch bei Gartenum- 
friedungen der Kunst 
Beschäftigung durch 
Säulenstellung, Tri- 
glyphenfries und Re- 
liefplatten, die bei 
dem Liechtenstein- 
schen Gartentor auf 
dem Alsergrund, wel- 
ches die Aufschrift trägt „Der Kunst, den Künstlern" und vom jahre 1814 
stammt, nicht bloss aus musikalischem Werkzeug, der Leier und Panflöte, 
sondern auch aus Maske, Meissel und Palette besteht. 
Im Garten selbst wird auch das Gartenhäuschen, seit Goethes und 
Schillers Zeiten ein bevorzugtes Inventarstück namentlich der romantischen 
Epoche, noch architektonisch behandelt und dort, wo sich eindringenden 
ostasiatischen Vorbildern folgend, die Lattenfüllung schon eingenistet hat, 
wenigstens das hübsche doppelte Dach noch der Kunst gerettet. 
Dem Garten schliessen wir hier den Friedhof an. Er stimmt besonders 
traurig, wenn man, von vereinzelten monumentalen Aufträgen absehend, 
das Einst und Jetzt in seinen Durchschnittsleistungen vergleicht. Obelisken 
in jeder Grösse und Geschmacklosigkeit haben das geschmiedete Kreuzund den 
schlichten Grabstein grösstenteilsverdrängt,trotzdemfür die Unsummen, die sie 
Grabdenkmal auf dem alten Friedhof: in Döbling
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.