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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

gestattete." Die Folge davon 
war, dass die Zahl der Formen, 
die der Schüler kennen zu 
lernen Gelegenheit gehabt hat. 
eine unverhältnismässig geringe 
gewesen ist, dass Phantasie und 
Gemüt leer ausgingen und 
dass sich für die Schaffenskraft 
der Schüler nur ein eng- 
begrenzter Rahmen fand. Hie- 
zu kam noch die pedantisch- 
geometrische, den Schüler 
langweilende Richtung beim 
Anfangsunterrichte, insbeson- 
dere beim Körperzeichnen, 
namentlich jedoch die allzuweit 
getriebene Favorisierung des 
Ornamentes. Als Resultat die- 
ser Unterrichtsprinzipien ergab 
sich, wie ziemlich allgemein 
zugestanden wird, dass vor- 
nehmlich Routiniers  Ko- Ausstellung in Bristol, Einband fürABook of Rornzntic Ballads 
pieren und Kompilieren, selb- von Miss M. Buckpitt und Mr. J. Stone 
ständig schaffende Kräfte aber 
nur ausnahmsweise herangebildet wurden, dass der Erfindungsgeist der 
Jugend lahmgelegt war, dass die Schüler für die Eindrücke der Aussenwelt 
die Empfindung verloren und dass die Betätigung der geistigen Fähigkeiten 
gegenüber den rein manuellen zum Schaden der Sache zurückgedrängt 
erschien." 
Die Reformer fordern nun mit wenigen Ausnahmen die intensivste 
Ausbildung des Anschauungs- und Vorstellungsvermögens, die Pflege des 
richtigen, des bewussten Sehens („Die Ausbildung der Sehfähigkeit hat der 
Ausbildung der Zeichenfertigkeit voranzugehen"; „Zeichnen ist die Fähig- 
keit, richtig zu sehen"; „Man kann nur jenen Gegenstand richtig wiedergeben, 
den man richtig gesehen hat"), das eingehende Studium nach Naturformen 
auf allen Stufen des Unterrichtes („Das Zeichnen nach der Natur war 
früher Endziel des Zeichenunterrichtes, künftig muss es den Ausgangspunkt 
bilden"), die Kultivierung des Erinnerungszeichnens, die Erziehung des 
 
"i Die Methode des „sauberen Zeichnens". 
'"' Ein Vorwurf kann wohl kaum jemanden treffen. weil ja seinerzeit die Prinzipien der älteren 
Methoden allgemein als richtig aufgefasst und auch überall durchgeführt wurden; überdies lässt sich nicht 
leugnen, dass mir den älteren Methoden trotz ihrer Mängel in vielen Fällen ganz schöne Erfolge erzielt worden 
sind und dass das Zurilckgreifen auf die Leistungen früherer Kunstepoehen und die ausschliessliche Kulti- 
vierung derselben eine unumgänglich notwendig gewesene Übergangsperiode gebildet hat, um die Grundlagen 
für selbständiges Schaffen auf neuer Basis zu gewinnen.
	        

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