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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

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Aus dem Salzburger Fachkurse, Komposition in den Raum. Motive: Hornklee, Orchidee, Viola, Brombeere, 
Studie von G. Miksch 
Natur darstellen. Lesser Ury ist der weitaus Stärkere. Er weiss seine malerische Welt- 
anschauung mit starken, schweren, aber wie zerstäubt gebrachten Farbenmassen aus- 
zudrücken. Seine Landschaften sind natürliche Märchen, in denen die Farben ein Quiproquo 
aufführen. Schwarzgrüne Waldschatten durch unumwundenes Ultramarin auszudrücken, 
ist gewiss etwas derartiges. So ist eines der besten Bilder der „Monte Baldo", ein tief 
blauviolettes Gebilde, dessen Gipfel in zehnerlei Purpur glüht. Und doch ist es wahr, 
indem es seine eigene Wahrheit hat. Gewisse Bilder mit wehendem, graugrünem Laub 
erinnern an Corot, gewisse grosszügige, langwellige Hügellandschaften an Volkmanns 
so lineare Eifelbilder, wir hätten fast Eifeleien gesagt. Aber gerade diese letzten sind 
durch die tiefe Farbe wesentlich gesteigert. Auch das Bildnis behandelt Ury in dieser 
Weise, rein auf den Farbenlieck hin, der aber von verwischter, in der Substanz gelockerter 
Art sein muss. So das Porträt des Direktors Schlenther, für dessen dichteres Gefüge dies 
doch nicht der richtige Stil ist. Auf besonderen Eindruck ist der Künstler in dem 
wandgrossen Bilde "Jeremias" aus. Der Profet schlummert auf Bergeshöhe, er und die 
Erde eine einzige schwarze Schattenmasse, und über ihm weitet sich der gestirnte Himmel 
mit seinen Nebeln und Flimmern. Die Konzeption ist gross, in der Ausführung fehlt das 
Luftige, Brütende, Lauschende, unbestimmt Webende, das solche Szenen bei Klimt 
haben. Das Mystische ist mit zu derben Mitteln gegeben. - Wislicenus bringt mehrere 
grosse, zu ungleichwertige Akte, einige Porträts und Landschaften, deren Hauptwert 
in einem feurigen Sonnenspiel eigenen Schlages liegt. Das beste Stück ist ein Porträt 
seines Töchterchens, in rotem Kleide, vor rotem Wandschirm, das blonde Gelock 
überall umhergesponnen, das Braun des Strumpfes und Schuhes - das Kind liegt und hält 
ein Bein mit der Hand in die Luft - gut hineinharmonisiert. Also ein keckes, Alexander- 
sches Arrangement, mit BesnarcVscher Appretur, der Kopf freilich deutsch empfunden. 
ULIUS V, BERGER, Der plötzliche Tod dieses tüchtigen und beliebten Künstlers 
(19. November) hat weite Kreise in Betrübnis versetzt. Berger war 18 50 in Neutitschein 
geboren und Schüler Ed. v. Engerths. Er hatte in jungen Jahren - es war die Makart-Zeit -
	        

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