MAK

Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

Fast in demselben Masse als die Kompositionen Mackintoshs neue und für den 
überwiegenden Teil der Zeitgenossen unverständliche Werte schaHen, so sind auch die 
Entwürfe von Leopold Bauer nicht das, was man gemeinverständlich nennt. Nichtsdesto- 
weniger besitzen auch sie einen höchst eigenartigen Stirnmungsgehalt, der in schlichter 
Solidität, Kunstlosigkeit im Einzelnen und Geschlossenheit der Gesamtwirkung gipfelt. 
Folnesics 
RUNDLAGEN DER KUNSTGEWERBLICHEN SCHÖNHEIT." Es 
sind alte Wahrheiten, die hier verkündet werden, aber trotzdem ist ihre Verkündigung 
nicht überflüssig. Sind auch die Wahrheiten alt, so sind doch die Menschen immer wieder 
neu, und neue Menschen greifen vertrauensvoller nach neuen Büchern als nach alten, denn 
in alten, meinen sie, stünde das, was man ohnehin schon weiss. Es ist auch nicht ganz so 
wörtlich zu nehmen mit der alten Wahrheit, denn ist auch alles Gescheute schon einmal 
gedacht und gesagt, so ist doch die Form und die seelische Emotion, in der man es sagt, 
immer aus der Stimmung des Tages hervorgegangen und daher wirkungsvoller und dem 
heutigen Denken und Empfinden näherstehend. 
Es sind im wesentlichen Ideen Gottfried Sempers, die Professor Ree in neuer Form 
zum Ausdruck bringt, wenn er von der handwerklichen Schönheit als der Grundlage und 
Vorbedingung kunstgewerblicher Schönheit spricht und wenn er den Nachweis führt, dass 
zwischen handwerklicher und kunsthandwerklicher Schönheit keine Wesenheits-, sondern 
nur Gradunterschiede bestehen. Er redet auch ebensosehr im Sinne der Modernen wie 
im Sinne jenes bewährten Kunsttheoretikers, wenn er die Materialechtheit unter die Grund- 
forderungen der Schönheit einreiht und der Schönheit der handwerklichen Arbeit eine 
Schönheit der maschinellen Arbeit entgegensetzt, die sich zu einander verhalten wie 
Druckschrift zu Schreibschrift. 
Jenen unter den Modernen, die rnit der Zweckmässigkeit und Materialgerechtigkeit 
schon das Äusserste geleistet zu haben wähnen, hält er die Tatsachen vor Augen, dass 
ein blosses Zweck-Ding uns so wenig genügt wie ein blosser Pflicht-Mensch und dass 
Geist, Gemüt, Phantasie hier wie dort zu ihrem Rechte kommen müssen, soll das Ideal 
einer Erscheinung erreicht werden. Den Anforderungen der Stimmung, die Ort und Gegen- 
stand in sich tragen, gerecht zu werden, das ist die eigentliche Aufgabe des Kunst- 
handwerkers. 
Was überdies als willkommene Unterströmung die ganze Abhandlung durchflutet, ist 
die Versöhnlichkeit. Ree polemisiert nicht, er klärt und berichtigt, eine solche ruhige 
Gelassenheit tut wohl im heutigen Tosen der wild durcheinander schiessenden Fluten 
ästhetischer Anschauungen. Folnesics 
EIPZIG. KÜNSTGEWERBE-MUSEUM. Das Kunstgewerbe-Museum zu 
Leipzig veranstaltet in der Zeit vom l. Februar bis 31. März x9o3 eine grössere Aus- 
stellung unter dem Titel: Die Püanzen in ihrer dekorativen Verwertung. Die Ausstellung 
soll in einer Auswahl guter Arbeiten die künstlerische Verwendung vorführen, welche die 
Pßanze als ein Hauptmotiv der Dekoration in den gewerblichen Künsten der Gegen- 
wart findet. 
IEN. PREISAÜSSCHREIBEN, Behufs Erlangung von künstlerisch eigen- 
artigen Entwürfen für weisses Leinen-Damast-Tischzeug veranstaltet die Firma 
Norbert Langer 8: Söhne in Wien folgendes Preisausschreiben: Für die drei besten Entwürfe 
sind Preise im Gesamtbetrage von 1200 Kronen vorgesehen, und zwar: I. Preis 600 Kronen, 
II. Preis 400 Kronen, III. Preis 200 Kronen und behält sich die ausschreibende Firma aus- 
drücklich vor, weitere auch nicht preisgekrönte Entwürfe zum Preise von je x50 Kronen 
' Paul johannes Räe, Grundlagen kunstgewerblicher Schönheit. Krefeld, C. Busch du Fallois Söhne,r9o2.
	        
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