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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 1)

von seiner Höhe wieder 
zur Ohnmacht herab- 
sinkt. In der tiefen 
Religiösität, die derAus- 
gangspunkt von Ruskins 
Denken ist, zeigt sich 
mancheVerwandtschaft 
mit Tolstoi und im 
Nachdenken über die 
letzten Ziele der Kunst 
gelangen beide zu ähn- 
lichen Resultaten. Be- 
sonders anziehend wirkt 
die Wärme, Begei- 
sterung und schmuck- 
lose Natürlichkeit, die 
aus der Abhandlung 
über die künstlerische 
Gestaltungskraftspricht. 
Wir stossen zwar oft 
auf einen im historischen Denken ungeschulten Geist und eine Darstellung, die sich um die 
Resultate wissenschaftlicher Forschung nicht viel kümmert, schöpfen jedoch nichts- 
destoweniger Goldkörner geistigen Reichtums aus seinen Ausführungen. In der Vor- 
lesung: „Der Anschluss an die Natur" behandelt Ruskin die Frage nach den Grenzen, 
die der Naturtreue in der Kunst gesetzt sind, und stellt im allgemeinen die Antike als 
mustergiltig hierin auf. Die letzte Vorlesung „Die Schule von Athen" beginnt mit einem 
höchst anregenden Vergleich zwischen griechischem und florentinischem Kunstempfxnden 
und endet mit dem Nachweise der Vorbildlichkeit griechischen Kunstempfindens für alle 
Zeiten. - Es kann uns hier natürlich weder darauf ankommen, uns in eine heute sehr 
billige Polemik gegen Ruskin einzulassen, noch die bald dunkel, bald unmethodisch 
erscheinende Art seiner Darstellung zu kritisieren. Man hat sich mit seiner Schreibweise 
längst abgefunden, und auch diejenigen, die nicht zu seinen unbedingten Bewunderern 
zählen, verschmähen es nicht, gelegentlich aus seiner Lekture Anregung zu holen und mit 
einem Geiste Zwiesprache zu pflegen, der die Frische subjektiven Empiindens ebenso- 
wenig vermissen lässt, wie jenes kräftige Sichselbstgenügen, das das Kennzeichen aller 
Kernnaturen ist. Folnesics 
 
Augsburger Vorsexzpapier zu einem Edinburgher Einband (2,5 Grösse) 
PROF. GERALD MOIRA, dessen dekorative Entwürfe vor einigen Monaten den 
Stoff eines Artikels in „Kunst und Kunsthandwerk" bildeten, hat soeben ein Erker- 
fenster für das Schloss Skibo, den Besitz des Schottisch-amerikanischen Milliardärs Andrew 
Camegie, hergestellt, welches zu den schönsten Resultaten moderner angewandter Kunst 
in England zählt. Die hier reproduzierte Photographie der drei Mittelfelder kann allerdings 
von der Schönheit dieses Werkes keinen Begriff geben, da nicht nur die wundervolle 
Farbenstimmung fehlt, welche sich mit den besten mittelalterlichen Kirchenfenstern 
messen kann, sondern auch die riesigen Dimensionen es unmöglich machen, in dem Atelier 
des Künstlers ein zufriedenstellendes photographisches Resultat zu erzielen. 
Die Hauptschwierigkeit bei dem Entwurfe des Fensters bestand wohl darin, dass 
Prof. Moira in den Hauptzügen einem Plane folgen musste, dessen Grenzen von 
Mr. Carnegie strenge festgestellt waren. Und es bedarf wahrlich eines Künstlers ersten 
Ranges, um so viele entgegengesetzte Motive zu einem harmonischen Ganzen zu 
vereinen.
	        

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