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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 2 und 3)

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Ausser diesen hatten auch viele andere Sammler die Ausstellung 
beschickt, so die Besitzer der beiden grössten und wertvollsten Sammlungen 
Altwiener Porzellans aus der Periode Sorgenthal, die Herren Karl Mayer 
und Simon v. Metaxa in 
Wien, die Herren Dr. v. Dall- 
witz in Berlin, Oberstleutnant 
Jeglinger, die Reichenberger 
und nordböhmischen Samm- 
ler u. a. rn. 
Das wissenschaftlich 
interessanteste Stück war 
eine Porzellankumme aus 
dem Besitze des Herrn Karl 
Mayer in Wien, mit plasti- 
schen Goldauflagen, die mit 
Email ausgefüllt sind; sie 
trägt auf der Unterseite die 
Bezeichnung „Hunger f." 
und eine offenbar bloss deko- 
rativ gemeinte Ligatur. wie 
sie zum Beispiel auf den 
frühen Meissner Porzellanen 
oft vorkommt. Fünf Chinoi- 
serien trägt die Kumme, mit 
 
Keramische Ausstellung in Reichenberg, Altwiener Schüssel 
mit bacchischer Szene in violettem Carnaieu. Arbeit eines 
Bäumen, Chn-lesen, Vasgn Breslauer Uberdekorateurs. circa 1725-30 (Nordböhxnisches 
und  also ganz der Gewerbe-Museum, Reichenberg) 
Dekor von Früh-Meissen 
und Früh-Wien, wie er gerade in letzterer Manufaktur bis gegen 1745 bei- 
behalten wurde. Der Rand und Fuss sind vergoldet, desgleichen das Innere 
der Kumme, wie auch bei den frühen Meissner Stücken. Die kalt aufgelegte 
plastische Golddekoration ist wie das direkte Grubenernail mit transluciden 
Emailautlagen in den drei Farben blau, grün und rotbraun versehen. 
Die Masse und Glasur sind ebenfalls gelblich, entsprechen aber nicht 
der Meissner Art aus dem Beginn der Zwanziger-jahre. Es bleibt nur übrig, 
an Wiener oder Venezianer Porzellan zu denken. Ersteres ist durch den 
Dekor wahrscheinlicher. 
Nun wissen wir durch Falke und Seidlitz („Neues Archiv für sächsische 
Geschichte und Altertumskunde X", Seite 6x FR), dass der entlaufene 
Meissner „Emailleur und Vergolder" Christoph Konrad Hunger von 1717 
bis 1720 in Wien war und an der Wiener Manufaktur arbeitete und dann 
x72o nach Venedig ging; 1725 kehrte er reumütig nach Meissen zurück. 
Später trieb ihn sein Geschick nach Schweden. Alle Indizien sprechen dafür, 
dass wir in der Kumme Hungers, die Dr. Pazaurek publizieren wird, eines 
der allerersten Stücke Altwiener Porzellans vor uns haben.
	        

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